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Kreisbögen in ALKIS-Daten

Aus VermCAD Hilfe Wiki

Ziel

Verstehen, wie VermCad Kreisbögen aus ALKIS-Bestandsdaten führt und wieder ausgibt, warum an Bögen Flächendeckungsfehler auftreten können — oft an Stellen, an denen gar nicht gearbeitet wurde — und was dagegen zu tun ist. Außerdem: wann der Kreisbogenhinweis iB an einem Grenzpunkt gesetzt wird. Fokus Baden-Württemberg.

Wie Sie im CAD einen Bogen erzeugen oder seinen Radius ändern, steht in Linie zu Bogen; die Bogenberechnung selbst in Das Dialogfenster Bogenelemente.

Wie ein Bogen übergeben und gehalten wird

Ein Bogen wird in der NAS über drei Positionen übergeben: Anfangspunkt, Bogenmitte und Endpunkt.

Hinweis: „Bogenmitte" bzw. „Bogenmittelpunkt" meint in diesem Zusammenhang immer den mittleren der drei Bogenpunkte, also den Scheitelpunkt auf dem Bogen — nicht den Mittelpunkt des zugehörigen Kreises.

Intern rechnet VermCad daraus Kreismittelpunkt und Radius. Beim Zurückrechnen der Bogenmitte aus Mittelpunkt und Radius entstehen gelegentlich Abweichungen im Millimeterbereich gegenüber dem gelieferten Wert. Damit die abgegebenen Daten trotzdem exakt zu den Nachbarobjekten des Bestandes passen, merkt sich VermCad zu jedem eingelesenen Bogen die ursprünglich gelieferten Koordinaten von Anfangspunkt, Bogenmitte und Endpunkt zusammen mit der Abweichung. Beim Export wird wieder die ursprüngliche Bogenmitte ausgegeben, solange

  • sich Anfangs- und Endpunkt des Bogens nicht geändert haben und
  • die Abweichung im üblichen Millimeterbereich liegt (bis 5 mm je Koordinate).

Ist der Bogen dagegen wirklich verändert worden, wird die neu berechnete Bogenmitte ausgegeben.

Warum die Rundung eine Rolle spielt

In Baden-Württemberg werden Koordinaten beim NAS-Export auf Zentimeter gerundet — die Bogenmitte dagegen auf Millimeter. Anfangs- und Endpunkt eines Bogens sind also gröber aufgelöst als sein Scheitelpunkt. Daraus folgt unmittelbar: Teilt man einen Bogen an einem Punkt in zwei Teilbögen, unterscheiden sich deren rechnerische Radien geringfügig — und zwar umso stärker, je flacher der Bogen ist.

Bögen an neu entstehenden Objekten

Entsteht durch eine Flächenoperation — Verschmelzen, Zerlegen, Ändern der Nutzung — ein neues Flächenobjekt, das Randlinien des alten Objekts übernimmt, überträgt VermCad in Baden-Württemberg die gemerkten Bogeninformationen auf den Bogen des neuen Objekts. So gibt auch das neue Flurstück bzw. die neue Nutzungsartenfläche dieselbe Bogenmitte aus wie das Nachbarobjekt aus dem Bestand. Beim reinen Teilen einer Linie geschieht das bewusst nicht — dort entsteht ein anderer Bogen.

Fehlen diese Bogeninformationen — etwa in Projekten, die mit einer sehr alten Programmversion angelegt wurden —, passen die exportierten Bogenabschnitte nicht mehr exakt zu denen der Nachbarobjekte. Die Folge sind Flächendeckungsfehler bei der aufnehmenden Stelle, häufig an Stellen, an denen gar nicht gearbeitet wurde.

Reparatur: VermCad prüft und ergänzt die Bogeninformationen beim Laden des Projekts. Ein betroffenes Altprojekt mit einer aktuellen Programmversion öffnen, anschließend neu übersetzen (F9), die Validierungsmeldungen durchgehen und neu exportieren — mehr ist im Regelfall nicht nötig. Bleiben die Beanstandungen, geben Sie den Projektstand bitte an den Support.

Bogenmittelpunkte als Punkte für Berechnungen

Davon zu unterscheiden ist der Bogenmittelpunkt als eigenes Punktobjekt im CAD. Ob solche Punkte angelegt werden, steuern Sie in den CAD-Einstellungen unter Handhabung → Allgemein → CAD-Punkte behandeln → CAD-Punkte übertragen → Bogenmittelpunkte übertragen getrennt für zwei Anlässe:

Einstellung Wirkung
beim ALKIS-Einlesen Bogenmittelpunkte werden beim Einlesen einer ALKIS-NAS-Datei als Punkte übertragen (für Berechnungen)
bei ALKIS-Bearbeitung Bogenmittelpunkte werden bei der Bearbeitung eines ALKIS-Objekts (Teilung, Verschmelzung, …) übertragen (für Berechnungen)

Zu jeder der beiden Optionen lässt sich zusätzlich die Punktart festlegen. Ist zu einem Bogen ein solcher Punkt vorhanden, führen ihn die Objektinformationen des Bogens in der Zeile Bogenmittelpunkt auf.

Bogenradien angleichen

Laufen zwei Objekte über dieselbe gebogene Grenze, müssen ihre Bögen dieselben Parameter haben. Weichen die Radien voneinander ab, meldet die Validierung:

Angleichung: Bogenradius muss evtl. angeglichen werden. (Abstand: … m)

Diese Meldung ist unter den Angleichungs-Meldungen die einzige, die als Fehler ausgegeben wird — sie lässt sich also nicht abhaken, sondern muss abgearbeitet werden. Der Bearbeiten-Knopf in der Meldungszeile bzw. die Aktion Bogenradius angleichen im Dialog Geometrie angleichen gleicht die Radien der beteiligten Bögen aneinander an. Der Hinweistext zur Meldung nennt jeweils, von welchem Bogen an welchen angeglichen wird (Radius angleichen: von … an …).

Umgekehrt gilt: Wollen Sie im CAD eine Linie an einen vorhandenen Nachbarbogen anschließen, übernehmen Sie dessen Radius am einfachsten im Dialog Linie zu Bogen, indem Sie den Nachbarbogen bei geöffnetem Dialog anklicken.

Der Kreisbogenhinweis „iB"

iB ist in Baden-Württemberg eine sonstige Eigenschaft (SOE) am Grenzpunkt und besagt, dass der Punkt auf einem durchgehenden Kreisbogen liegt. Im Punkt-Parameter-Dialog gibt es dafür die Sonderspalte SOE: iB mit der Bedeutung Kreisbogenhinweis; das Gegenstück für die Gerade ist iG (Geradlinigkeitshinweis).

iB wird nicht automatisch gesetzt. Anders als iG, für das VermCad die Geradlinigkeit rechnerisch prüfen kann, ist eine automatische Entscheidung beim Bogen nicht zuverlässig möglich: Ein Punkt auf einem Bogen bricht diesen immer in zwei Teilbögen auf, und deren Radien unterscheiden sich wegen der unterschiedlichen Rundung von Bogenendpunkten und Scheitelpunkten (siehe oben) numerisch — umso stärker, je flacher der Bogen ist.

Daraus ergeben sich diese Arbeitsregeln:

  • Erfassen Sie iB bei neu entstehenden Situationen, also wenn eine neue Grenze von einem bestehenden Bogen abgeht. Gesetzt wird der Hinweis im Punkt-Parameter-Dialog in der Spalte SOE: iB.
  • Eine nachträgliche Vergabe an bestehenden ALKIS-Situationen ist im Regelfall nicht vorgesehen.
  • Gebraucht wird sie nur, wenn bei einer Verschmelzung eine Grenze wegfällt, die auf einen aufgeteilten Bogen stößt. Trägt deren Grenzpunkt kein iB, muss anhand der Katasterakten geprüft werden, ob ursprünglich ein durchgehender Bogen vorlag.
  • Ob ein Punkt innerhalb der fachlich zulässigen Abweichung (in Baden-Württemberg 3 cm) zum gedachten durchgehenden Kreisbogen liegt, rechnen Sie mit der Bogenberechnung nach: Legen Sie den durchgehenden Bogen über Anfangs-, Zwischen- und Endpunkt fest und tragen Sie den zu prüfenden Punkt unter Elemente ein. Die Ergebnisliste weist ihn in der Spalte Seitw.(m) mit seinem seitlichen Abstand zum Bogen aus — auch dann, wenn er außerhalb des Bogensegments liegt. Siehe Das Dialogfenster Bogenelemente und Die Ergebnisliste Bogenelemente.

iG und iB stehen in Baden-Württemberg zusätzlich als Punkt-Parameter zur Verfügung („iB" — wenn auf Kreisbogen, dazu der Original-Wert iBOriginal) und lassen sich damit als Punktnummern-Zusatztext in der Grafik anzeigen.

Typische Fehlerbilder

Flächendeckungsfehler an Bogenabschnitten

Meldungen der aufnehmenden Stelle: Fehler 7501 <ObjektID> <Nutzungsart> Flächendeckung für '<Koordinatenpaare>' nicht erfüllt (alte Linie ) und Fehler 7502 <ObjektID> <Nutzungsart> Flächendeckung für '<Koordinatenpaare>' nicht erfüllt (neue Linie ). Häufig begleitet von Warnung 2363 Warnung beim Validieren des Ergebnisses: Keine Validierung wegen Ausgabe des Temporären Bereiches im Fehlerfall.

Symptom: Die genannten Linien liegen an Kreisbogenabschnitten. Auch nach kompletter Neubearbeitung des Vorgangs treten dieselben Fehler wieder auf.

Ursache: Am Objekt fehlen die gemerkten Bogeninformationen, insbesondere die Koordinaten der ursprünglich gelieferten Bogenmitte. Die exportierten Bogenabschnitte passen dadurch nicht mehr exakt zu denen der Nachbarobjekte.

Abhilfe: Projekt mit einer aktuellen Programmversion laden — die Bogeninformationen werden dabei ergänzt —, neu übersetzen (F9), Validierungsmeldungen prüfen und neu exportieren. Treten Flächendeckungsfehler auf, lohnt grundsätzlich der Blick darauf, ob die gemeinsame Grenze benachbarter Objekte Kreisbögen mit identischen Parametern enthält.

Bögen benachbarter Objekte sind unterschiedlich ausgestaltet

Symptom: In der Probesimulation werden an Bögen Überschneidungen bzw. Flächendeckungsfehler gemeldet, obwohl beide Objekte auf „derselben" Grenze liegen.

Ursache: Millimeterabweichungen zwischen den Bögen zweier Nachbarobjekte. Bei Objektarten, die flächendeckend und überschneidungsfrei sein müssen — Flurstücke und Nutzungsarten —, fallen sie in der Fortführungssimulation auf.

Abhilfe: Vor der Abgabe die Bögen an gemeinsamen Grenzen prüfen und über Bogenradius angleichen vereinheitlichen. Eine Stichprobe an einem Bogen des Bearbeitungsgebiets lohnt sich in jedem bogenlastigen Projekt.

Nach einer Zerlegung sind Bögen in einem gar nicht bearbeiteten Bereich verändert

Symptom: Nach einer Zerlegung meldet die Validierung Lücken und Überschneidungen in einem völlig anderen Bereich desselben Flurstücks, in dem gar nicht gearbeitet wurde. Betroffen sind Kreisbögen.

Ursache: Die für Flächenschnitte verwendete Geometriebibliothek arbeitet bei schleifenden Schnitten unzuverlässig — also dann, wenn die Schnittlinie einen Bogen nahezu tangential trifft.

Abhilfe: Die Meldungen zu Lücken und Überschneidungen betreffen in diesem Fall nur den fehlerhaft veränderten Bereich und sind dort gesondert zu bewerten. Die Geometrie in diesem Bereich muss repariert werden. Die Schnitttoleranzen wurden inzwischen angepasst — ein Update kann die Situation also bereits entschärfen. Bleibt der Fehler, geben Sie den Projektstand bitte an den Support.

Vor der Abgabe

  • An mindestens einem Bogen im Bearbeitungsgebiet stichprobenartig prüfen, ob die gemeinsame Grenze zum Nachbarobjekt in beiden Objekten dieselben Bogenparameter hat.
  • Die Angleichungsmeldung Bogenradius muss evtl. angeglichen werden. vollständig abarbeiten — sie ist ein Fehler und nicht abhakbar.
  • Bei Projekten aus sehr alten Programmständen: einmal mit aktueller Version laden, übersetzen und neu exportieren, bevor Sie abgeben.

Siehe auch