Geometriebehandlung und Überlappungsmeldungen
Ziel
Verstehen, warum die aufnehmende Stelle Überlappungen meldet, die in den gelieferten Daten gar nicht zu sehen sind, welche Toleranzen dabei gelten und an welchen Stellen VermCad die Prüfungen vornimmt, die andere Katasterprogramme in einem eigenen Arbeitsschritt „Geometriebehandlung" bündeln. Fokus Baden-Württemberg.
Diese Seite erklärt das Zusammenspiel mit der aufnehmenden Datenhaltung und die Deutung der Angleichungs-Meldungen. Die Arbeitsregeln zur lückenlosen Fallbildung stehen in Flächendeckung nach jedem Fortführungsfall, die Bedienung des Dialogs in ALKIS-Geometrieangleichen.
Was die aufnehmende Datenhaltung mit Ihrer Geometrie macht
Die aufnehmende Datenhaltungskomponente (DHK) übernimmt Ihre Umringe nicht unverändert. Sie führt beim Einlesen eine eigene, implizite Geometriebehandlung durch:
- Zwei Umringpunkte, die weniger als rund 14 Millimeter auseinanderliegen, gelten als derselbe Punkt. Die betroffenen Umringe werden entsprechend zusammengezogen.
- Erst dadurch kann eine Überlappung entstehen: Läuft ein Umring an dieser Stelle über die endgültige Koordinate eines Punktes und der Nachbarumring über die grafische Koordinate desselben Punktes, sind beide Varianten für die DHK identisch — die Flächen decken sich nach der Anpassung nicht mehr, sondern überlappen. In der abgegebenen Datei ist davon nichts zu sehen.
- Im Simulationslauf nimmt ausschließlich die aufnehmende Datenhaltung diese Anpassung vor. VermCad verändert dabei nichts.
Für die entstehende Überlappungsfläche gelten in Baden-Württemberg landesweit einheitliche, nicht einstellbare Schwellen:
| Überlappungsfläche | Reaktion der aufnehmenden Datenhaltung |
|---|---|
| unter 0,015 m² | wird akzeptiert |
| 0,015 m² bis 1,0 m² | Warnung |
| über 1,0 m² | der Auftrag wird abgelehnt |
Arbeitsregel: Je Umring nur eine Koordinatenvariante eines Punktes verwenden und die Umringe aller beteiligten Flurstücke bereits ab dem Fortführungsfall angleichen, in dem die Neuberechnung wirksam wird — nicht erst am Ende.
Was VermCad dazu selbst prüft
VermCad prüft den 14-Millimeter-Abstand bereits in der eigenen Validierung. Bei neuen Flurstücken und neuen Nutzungsartenobjekten wird gemeldet, wenn ein Randpunkt des Objekts zu nah an einer eigenen Randlinie liegt:
- Ein Randpunkt des Objekts liegt zu nah (… mm, Trennschärfe Amt: 14,0 mm) an einer eigenen RandLinie. Dies kann bei Abgabe des Projekts zu unerwünschten Geometriebehandlungs-Effekten auch an benachbarten Objekten inkl. Scheitern der Simulation führen.
Die Meldung erscheint als Warnung. Sie ist ernst zu nehmen: Der genannte Abstand ist genau die Größenordnung, in der die aufnehmende Datenhaltung Punkte zusammenzieht.
Passend dazu ist der Automatik-Abstand der Geometrieangleichung in den CAD-Einstellungen auf 0,015 m (15 mm) voreingestellt — knapp oberhalb der Trennschärfe des Amtes; der Abstand, bis zu dem überhaupt ein Angleich-Vorschlag entsteht, auf 1,0 m. Beide Werte gibt es getrennt für Flurstücke und Nutzungen, dazu die Einschränkung auf das Bearbeitungsgebiet (siehe ALKIS-Geometrieangleichen).
VermCad kennt keinen eigenen Arbeitsschritt „Geometriebehandlung"
Wer aus anderer Katastersoftware einen eigenständigen Menüpunkt „Geometriebehandlung" gewohnt ist, sucht ihn in VermCad vergeblich. Die entsprechenden Prüfungen sind in die laufende Bearbeitung integriert und verteilen sich auf zwei Stellen:
Während der Bearbeitung
Vor und nach den Flächenoperationen ruft VermCad die Geometrieangleichung selbstständig auf. Der Fenstertitel nennt dabei den auslösenden Vorgang, zum Beispiel Teilen von Flächen - Geometrie angleichen; im Kopf steht Vor dem Teilen von Flächen bitte die Geometrie angleichen. Ausgelöst wird sie von:
- Teilen von Flächen
- Verschneiden von Flächen
- Ändern der Nutzung
Beim Teilen, beim Verschneiden und bei der Validierung werden nur Einträge angeboten, die im Bearbeitungsgebiet liegen. Beim Ändern der Nutzung und beim Aufruf von Hand (siehe unten) gilt diese Einschränkung nicht — dort können auch Vorschläge außerhalb des Bearbeitungsgebiets erscheinen.
Untergehende Punkte und bereits ALKIS-gelöschte Objekte werden beim Verschmelzen, Teilen und Auf-Linie-Schieben ausgespart. Für sie gibt es stattdessen den eigenen Vorschlag Punkt-Objekte müssen evtl. auf den Punktzwilling verschoben werden.
Denselben Vorgang starten Sie jederzeit von Hand über den Ribbon-Befehl Alkis-Geometrie angleichen im Reiter ALKIS; er beschreibt seine Aufgabe selbst als Anpassen der Alkis-Geometrie (naheliegende Grenzpunkte hinzufügen/in Gerade liegende Grenzpunkte löschen/…).
Bei der Validierung
Die Validierung der vollständigen Fortführung erzeugt dieselben Angleich-Vorschläge noch einmal als Validierungsmeldungen. Über Autom. angleichen im Bereich der Validierungs-Meldungen arbeiten Sie sie gesammelt ab; sind mehr als eine Angleichung auszuführen, fragt VermCad zuvor: Es sind … Einträge zum Angleichen der Geometrie auszuführen. Alles angleichen oder Dialog zur Auswahl öffnen? mit den Schaltflächen Alles angleichen und Dialog öffnen.
Die Schaltfläche erscheint nur dann, wenn es überhaupt Meldungen gibt, deren Abstand unter dem Automatik-Abstand liegt — ihr Hinweistext nennt die beiden gerade eingestellten Grenzwerte für Flurstücke und für Nutzungen. Fehlt die Schaltfläche, sind alle Vorschläge von Hand zu bewerten.
Zusätzlich prüft die Validierung, ob Umringe untergehender Flurstücke noch über grafische Punkte laufen, für die inzwischen eine Neuberechnung existiert (siehe unten).
Angleichungs-Meldungen richtig lesen
Angleichungs-Meldungen haben in der Validierungsliste immer denselben Aufbau:
- Angleichung: <Vorschlag> (Abstand: 0,003 m)
Der Abstand ist die entscheidende Größe für die Einschätzung. Diese Vorschläge gibt es:
| Meldungstext | Art | Bedeutung |
|---|---|---|
| Punkt-Objekte müssen evtl. auf den Punktzwilling verschoben werden. | Warnung | Punktobjekte auf den Punktzwilling verschieben |
| Punkte müssen evtl. verschmolzen werden. | Warnung | zwei Punkte zu einem zusammenführen |
| Linie muss evtl. geteilt werden. | Warnung | Linie am Punkt teilen, damit der Nachbarumring aufbricht |
| Punkt muss evtl. auf Linie geschoben werden. | Warnung | Punkt lotrecht auf die Linie schieben |
| Linien müssen evtl. verschmolzen werden. | Warnung | zwei Linien zu einer zusammenführen |
| Bogenradius muss evtl. angeglichen werden. | Fehler | die Radien zweier Bögen aneinander angleichen — siehe Kreisbögen in ALKIS-Daten |
Beachten Sie den Unterschied in der Spalte Typ:
- Warnungen dürfen Sie in der Spalte OK abhaken, wenn der Vorschlag im konkreten Fall fachlich nicht zutrifft. Bewerten Sie dabei jede Meldung einzeln, statt die Geometrie unnötig zu verändern.
- Fehler lassen sich nicht abhaken. Der Versuch quittiert VermCad mit Fehler können nicht als OK markiert werden!. Ein bereits gesetzter Haken darf entfernt werden. Unter den Angleichungs-Meldungen ist Bogenradius muss evtl. angeglichen werden. die einzige, die als Fehler ausgegeben wird — sie muss also tatsächlich abgearbeitet werden.
Hinweis: Der Bearbeiten-Knopf in der Meldungszeile führt die vorgeschlagene Angleichung sofort aus. Diese Änderung wird nicht in die CAD-Historie aufgenommen und lässt sich deshalb nicht über Rückgängig zurücknehmen. Prüfen Sie den Vorschlag also vorher — die Meldung anfliegen und im CAD ansehen.
Typische Fehlerbilder
Die Simulation meldet eine Überlappung, die in den Daten nicht zu finden ist
Symptom: Die Fortführungsdaten lassen sich bei der aufnehmenden Stelle nicht simulieren. Gemeldet wird eine Überlappung von Flurstücken, die in der gelieferten Datei nicht erkennbar ist; teilweise fällt zusätzlich ein Umringpunkt heraus.
Ursache: Zwei Umringpunkte liegen weniger als 14 mm auseinander. Die aufnehmende Datenhaltung betrachtet sie als identisch und passt die Umringe an. Enthalten die beteiligten Umringe danach beide Koordinatenvarianten, entsteht die Überlappung.
Abhilfe: Vor der Einreichung prüfen, ob Umringpunkte benachbarter Flurstücke näher als 14 mm beieinanderliegen. Solche Punkte zusammenführen bzw. die Umringe aller beteiligten Flurstücke ab dem betreffenden Fortführungsfall angleichen. Werkzeug: Geometrie angleichen mit den Aktionen Punkte verschmelzen und Objekte auf Punktzwilling schieben. Die oben genannte Validierungsmeldung deckt den Fall ab, dass ein Randpunkt zu nah an einer Randlinie desselben neuen Objekts liegt; liegen die beiden dicht benachbarten Punkte in verschiedenen Objekten, bleibt die Kontrolle bei Ihnen.
Der Umring läuft noch über die alte Koordinate eines neu berechneten Punktes
Meldung: Der Flurstücksumring läuft über alte Koordinaten von Grenzpunkten, für die eine Neuberechnung existiert.
Ursache: Der Umring benutzt einen untergehenden Grenzpunkt, obwohl für ihn längst ein Punktzwilling mit neu berechneter Koordinate vorliegt. Der Nachbarumring liegt in der Regel bereits auf der neuen Koordinate — bei der Geometriebehandlung im Zielsystem entstehen daraus Überschneidungen oder Löcher, und die Verarbeitung bricht ab.
Abhilfe: Diese Meldung nicht auf OK setzen. Über den Bearbeiten-Knopf in der Meldungszeile werden die betroffenen Objekte auf den Punktzwilling umgehängt. Prüfen Sie anschließend zusätzlich, ob alle Flurstücke, deren Umring sich durch die Neuberechnung ändert, zum Export markiert sind, und folgen Sie dem Vorschlag der automatischen Auswahl — siehe Exportobjekte je Fortführungsfall auswählen.
„Punkt muss evtl. auf Linie geschoben werden" trifft nicht zu
Meldung: Angleichung: Punkt muss evtl. auf Linie geschoben werden. (Abstand: … m)
Ursache: Die Prüfung meldet einen Verdacht: Ein Punkt liegt so dicht an einer fremden Linie, dass er dort hingehören könnte. Das trifft nicht in jedem Fall zu — der Punkt kann fachlich richtig neben der Linie liegen.
Abhilfe: Die Meldung wird deshalb als Warnung und nicht mehr als Fehler ausgegeben. Prüfen Sie den Einzelfall im CAD und haken Sie die Meldung begründet ab, wenn sie nicht zutrifft. Die Geometrie deswegen zu verändern, wäre falsch. Erscheinen in einem Projekt sehr viele solcher Meldungen, arbeiten Sie sie am besten der Reihe nach über die Abstandsangabe ab — die größten Abstände zuerst.
Das Amt meldet einen Überdeckungsfehler, die eigene Validierung nicht
Symptom: Die Prüfung bei der aufnehmenden Stelle beanstandet in einem Fortführungsfall eine Überdeckung, das Projekt selbst zeigt dazu keine Meldung.
Ursache: Entweder steckt der Fehler in einem Zwischenzustand (siehe Flächendeckung nach jedem Fortführungsfall), oder die exportierte Geometrie weicht von der im Projekt sichtbaren ab.
Abhilfe: Prüfen Sie zuerst, ob VermCad im selben Fortführungsfall ebenfalls eine Überdeckung meldet. Weicht das voneinander ab, liegt der Fehler nicht in Ihrer Bearbeitung — dann bitte mit einer aktuellen Programmversion gegenprüfen und den Projektstand an den Support geben.
Vor der Abgabe
- Alle Angleichungs-Meldungen einzeln bewerten — abhaken nur mit fachlicher Begründung, nie pauschal.
- Die Meldung zu Umringen über neu berechnete Koordinaten immer über Bearbeiten erledigen, nie über OK.
- Geometrische Änderungen, die durch großzügiges Angleichen außerhalb des Bearbeitungsgebiets entstanden sind, zurücknehmen — siehe Geometrieänderungen verwalten.
- Nach jeder Korrektur neu übersetzen (F9) und neu exportieren.