Überprüfung der tatsächlichen Nutzung nachweisen
Ziel
Bei jeder Liegenschaftsvermessung mit Außendienst sind die im Liegenschaftskataster geführten Angaben mindestens der betroffenen Flurstücke durch visuellen Vergleich mit der Örtlichkeit zu prüfen — und das Ergebnis dieser Prüfung ist in den Erhebungsdaten nachzuweisen, auch dann, wenn keine Veränderung festgestellt wurde. Betroffen sind die Flurstücke, auf denen die Katastervermessung durchgeführt wird, sowie die Flurstücke einer beantragten Grenzfeststellung.
Diese Seite zeigt, mit welchen Attributen VermCad diesen Nachweis führt, welche Werte das Programm selbst vergibt, was Sie einstellen können und was die Validierung prüft. Fokus Baden-Württemberg.
Wie eine Nutzungsart geändert wird, steht auf ALKIS-Arbeitsabläufe-Nutzung eines Flurstücks ändern; wann daraus ein Fortführungsfall entsteht, auf ALKIS-Arbeitsabläufe-Veränderung der tatsächlichen Nutzung mit und ohne Wirtschaftsart.
Die drei Attribute
Der Nachweis hängt an den Nutzungsartenobjekten (NUA) — nicht am Flurstück.
| Kürzel | Bezeichnung | Bemerkung |
|---|---|---|
| DLU | Datum der letzten Überprüfung | Datumsfeld; VermCad vergibt einen Autowert |
| EDU | Ergebnis der Überprüfung | Schlüsselwert; VermCad vergibt einen Autowert |
| DEA | Art der Datenerhebung | gehört zu den Qualitätsangaben (DAQ); die Auswahlliste ist eingeschränkt |
Alle drei erreichen Sie im ALKIS-Objekt-Parameter-Dialog am Reiter der jeweiligen Nutzungsart. Dort lassen sie sich auch für viele Objekte auf einmal setzen (Setze markierte bzw. Setze alle). Alle drei Attribute werden mit den Erhebungsdaten abgegeben.
Was VermCad automatisch füllt
DLU und EDU sind Autowerte: Sie werden bei jedem Übersetzen (F9) neu ermittelt und in den Parameter-Dialogen violett dargestellt.
Für welche Objekte
VermCad setzt die beiden Autowerte nur an Nutzungsartenobjekten, die
- den Fortführungsstatus neu oder geändert haben und
- mindestens ein Flurstück schneiden, das in irgendeinem Fortführungsfall Kernobjekt ist.
Damit trifft die Automatik genau die Flurstücke, auf denen tatsächlich gearbeitet wird. Nutzungen weit außerhalb bleiben unberührt.
Der Autowert für EDU
| Zustand des Nutzungsobjekts | EDU |
|---|---|
| neu entstanden oder geometrieverändert | 3000 — Erfassung eines neuen Objektes |
| geändertes Bestandsobjekt ohne Geometrieänderung | 1000 — Fehlerkorrektur |
Zwei Werte vergibt die Automatik nicht:
- 4000 (Geometrieveränderung eines bestehenden Objektes) wird seit einer Anpassung der fachlichen Erfassungshinweise nicht mehr automatisch gesetzt; eine reine Geometrieänderung führt jetzt ebenfalls zu 3000.
- 2000 (Bestätigung des Ist-Zustandes) entsteht nicht von selbst, weil die Automatik nur an neuen und geänderten Objekten greift. Genau dieser Wert ist aber der richtige, wenn die Überprüfung keine Veränderung ergeben hat. Tragen Sie ihn in diesem Fall im Parameter-Dialog von Hand ein.
Der Autowert für DLU
Das Datum wird in dieser Reihenfolge ermittelt — der erste vorhandene Wert gewinnt:
- das von Ihnen festgelegte Datum (siehe nächster Abschnitt),
- das Datum der letzten Messung aus den Messdaten,
- das Datum, an dem die Bearbeitung im Fortführungsdialog in diesem Projekt begonnen wurde,
- ersatzweise das heutige Datum.
Welche Regel gerade greift, sagt Ihnen VermCad im Klartext neben dem Eingabefeld, zum Beispiel:
- Individuell durch den Nutzer festgelegtes Datum wird für den DLU-Autowert benutzt.
- Datum der letzten Messung (DEVICE-Blöcke) wird für den DLU-Autowert benutzt.
- Datum des Beginns der vFE-Bearbeitung wird für den DLU-Autowert benutzt.
- Datum von heute wird für den DLU-Autowert benutzt, da nichts anderes ermittelt werden konnte oder festgelegt wurde.
Das Datum selbst festlegen
- Dialog ALKIS-Vollständige Fortführung öffnen.
- Im Register links den Reiter Einstellungen wählen.
- Im Feld der Gruppe Datum für DLU-Autowert bei NUA das gewünschte Datum eintragen. Der Erklärungstext daneben zeigt sofort, welche Regel nun gilt.
- Mit F9 übersetzen — die Autowerte werden neu ermittelt.
Das Eingabefeld lässt sich wieder leeren; dann greift wieder die automatische Reihenfolge.
DEA: die zulässigen Werte
Für Nutzungsartenobjekte bietet VermCad in Baden-Württemberg nur zwei Werte zur Auswahl an:
| Wert | Bedeutung | In den Erhebungsdaten |
|---|---|---|
| 1000 | Aus Katastervermessung ermittelt | zulässig |
| 2000 | Aus Luftbildmessung oder Fernerkundungsdaten ermittelt | nicht zulässig an neuen und geänderten Nutzungsobjekten |
Steht an einem neuen oder geänderten Nutzungsobjekt der Wert 2000, meldet die Validierung als Fehler:
- Das Attribut DEA darf nicht den Wert 2000 haben.
Ein leeres DEA und der Wert 1000 erzeugen keine Meldung. Die Prüfung ist im mitgelieferten Prüfplan [BW] NAS-Validierung für alle Nutzungsarten hinterlegt.
Was validiert wird — und was nicht
- DEA wird geprüft (siehe oben).
- DLU wird im mitgelieferten Prüfplan bewusst nicht validiert: Für die Belegung des Datums gibt es keine verbindliche Regel, jede Prüfung würde also mehr Fehlalarme als Nutzen bringen.
- EDU wird im mitgelieferten Prüfplan ebenfalls nicht validiert. Die aufnehmenden Stellen prüfen die Belegung inzwischen aber zunehmend streng — sehen Sie die Werte vor der Abgabe durch.
Eigene Prüfungen zu DLU und EDU können Sie sich in einem eigenen Prüfplan als Bedingung anlegen, siehe ALKIS-Prüfpläne bearbeiten und ALKIS-Vergleichsbedingungen.
Eigene Werte gehen dem Autowert vor
Ein von Hand eingetragener Wert bleibt stehen. VermCad führt die Attribute in getrennten Ebenen: Ihre Eingabe aus dem Parameter-Dialog liegt in einer eigenen Ebene, die Vorrang vor der Autowert-Ebene hat. Beim Übersetzen (F9) wird nur die Autowert-Ebene neu berechnet — Ihr Wert wird dabei weder gelöscht noch überschrieben und weiterhin ausgegeben. Sie erkennen ihn daran, dass die Zelle fett und nicht mehr violett dargestellt wird.
Das gilt auch für ein von Hand geleertes Feld: Es bleibt leer, obwohl die Automatik für dieses Objekt greift.
Wollen Sie ein Attribut wieder der Automatik überlassen, verwenden Sie im Parameter-Dialog Leere markierte bzw. Leere alle oder nehmen die Eingabe mit Rückgängig zurück — danach greift wieder der Autowert.
Umgekehrt lässt sich ein Autowert festhalten, ohne ihn abzuschreiben: Zeilen markieren und die Schaltfläche -Werte fest (markierte) drücken. Sie übernimmt die violetten Autowerte aller markierten Zeilen als eigene Werte; sie werden beim nächsten Übersetzen dann nicht mehr neu ermittelt.
Hinweis: Das Kontextmenü Autowert verbieten aus ALKIS-Arbeitsabläufe-Autowerte gezielt steuern gibt es nur im Punkt-Parameter-Dialog. Für Nutzungsartenobjekte steht es nicht zur Verfügung, und die Autowertvergabe für DLU und EDU wertet es auch nicht aus. Für diese beiden Attribute ist der oben beschriebene Weg über die Handeingabe der richtige.
Präsentationsobjekte unveränderter Nutzungen
Wird eine Nutzungsfläche neu gebildet, entsteht dazu ein neues Präsentationsobjekt — auch dann, wenn sich die dargestellte Nutzungsart gar nicht geändert hat. Für diesen Fall gibt es zwei auswertbare Eigenschaften, die Sie als Bedingung in einer Darstellungsvariante oder in einem Prüfplan verwenden können:
- PTO für NUA unverändert (neues Objekt)
- PTO für NUA unverändert (altes Objekt)
Damit lassen sich solche Präsentationsobjekte von echten Änderungen unterscheiden und gesondert darstellen. Siehe CAD-Darstellungsvarianten und ALKIS-Vergleichsbedingungen.
Typische Fehlerbilder
Die Behörde vermisst den Nachweis der Nutzungsüberprüfung
Symptom: Die aufnehmende Stelle fragt nach Datum und Ergebnis der Überprüfung der tatsächlichen Nutzung, obwohl im Projekt keine Nutzungsänderung vorlag.
Ursache: Der Nachweis ist auch dann zu führen, wenn die Überprüfung keine Veränderung ergeben hat. Ohne Änderung entsteht aber kein neues oder geändertes Nutzungsobjekt — und ohne ein solches Objekt greift auch die Autowertvergabe nicht.
Abhilfe: Die betroffenen Nutzungsobjekte im Objekt-Parameter-Dialog öffnen und DLU sowie EDU von Hand belegen — EDU mit 2000 (Bestätigung des Ist-Zustandes). Über Setze markierte geht das für mehrere Objekte auf einmal. Die Handeingabe übersteht das nächste Übersetzen; sie macht das Nutzungsobjekt zugleich zu einem geänderten Objekt, so dass es in die Fortführung eingeht und abgegeben wird.
Das Attribut DEA darf nicht den Wert 2000 haben.
Symptom: Diese Fehlermeldung erscheint an einem neuen oder geänderten Nutzungsobjekt.
Ursache: DEA 2000 steht für „aus Luftbildmessung oder Fernerkundungsdaten ermittelt". Eine im Zuge einer Katastervermessung erhobene Nutzung darf diesen Wert nicht tragen.
Abhilfe: DEA auf 1000 setzen oder leeren. Über die Korrektur-Aktion der Meldung gelangen Sie direkt zum Objekt.
Der Autowert greift bei F9 nicht
Symptom: Nach F9 bleiben DLU und EDU leer.
Ursache und Abhilfe: Prüfen Sie der Reihe nach:
- Programmstand — die Autowerte für DLU und EDU sind erst ab einem bestimmten Programmstand vorhanden; in älteren Versionen passiert bei F9 nichts. Im Zweifel aktualisieren.
- Fortführungsstatus — das Nutzungsobjekt muss neu oder geändert sein.
- Bezug zum Fortführungsfall — das Nutzungsobjekt muss ein Flurstück schneiden, das in einem Fortführungsfall Kernobjekt ist. Fehlt der Fall noch, entsteht auch kein Autowert.
- Eigener Wert im Weg — wurde die Zelle einmal von Hand belegt oder geleert, hat diese Eingabe Vorrang vor dem Autowert; ein geleertes Feld bleibt deshalb leer. Über Leere markierte im Parameter-Dialog geben Sie das Attribut wieder an die Automatik zurück.
Das Datum passt nicht zum Außendiensttermin
Symptom: In DLU steht das heutige Datum oder das Datum des Bearbeitungsbeginns statt des Termins der örtlichen Überprüfung.
Ursache: Aus den Messdaten ließ sich kein Messdatum ermitteln, deshalb hat die Reihenfolge auf einen späteren Punkt zurückgegriffen.
Abhilfe: Im Dialog ALKIS-Vollständige Fortführung, Reiter Einstellungen, das Datum in der Gruppe Datum für DLU-Autowert bei NUA selbst festlegen und mit F9 übersetzen. Der Erklärungstext neben dem Feld bestätigt, dass nun Ihr Datum verwendet wird.
Siehe auch
- Der ALKIS-Objekt-Parameter-Dialog — Spalten setzen, leeren und für mehrere Objekte übernehmen
- Die ALKIS-Autowerte — was ein Autowert ist
- ALKIS-Arbeitsabläufe-Autowerte gezielt steuern — Autowerte an Punkten je Objekt und je Attribut abschalten
- ALKIS-Vollständige Fortführung — der Fortführungsdialog mit dem Reiter Einstellungen
- ALKIS-Arbeitsabläufe-Nutzung eines Flurstücks ändern
- ALKIS-Arbeitsabläufe-Veränderung der tatsächlichen Nutzung mit und ohne Wirtschaftsart
- ALKIS-Prüfpläne bearbeiten und ALKIS-Vergleichsbedingungen
- ALKIS-Arbeitsabläufe-Präsentationsobjekte bearbeiten