Der Netzausgleich
Gleicht ein Lagenetz streng aus (vermittelnde Ausgleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate). Grundlage sind die Richtungen und Strecken der Netzmessungen des Projekts, auf Wunsch ergänzt um Kreiselazimute und Spannmaße. Das Ergebnis steht in der Ergebnisliste Netzausgleich; in der Messwertdatei wird die Berechnung als Makro NETZAUSGLEICH gespeichert.
Aufruf: Menü Netz → Netzausgleich.
Es ist dasselbe Fenster wie beim Netzausgleich - Höhen und beim Nivellement; nur die Lage-Ausgleichung bietet die Registerkarten Richtungen, Polarstrecken, Kreisel-Azimute und Spannmaße sowie die Schalter Freies Netz und Maßstab frei.
Der Kopf des Fensters
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| Layer | Nummern der Netzmessungs-Layer, deren Messungen in die Ausgleichung eingehen. In den Punktauswahlmasken erscheinen dann nur die in diesen Layern gemessenen Punkte (z. B. NETZMESSUNG, L=1 …). |
| FR-Akte | Kennzeichnet die Berechnung für die Fortführungsrissakte. In Sachsen-Anhalt gibt es den Schalter nicht. |
| Setze alle Standardabweichungen | Belegt die Standardabweichungen aller Beobachtungen mit den Vorgabewerten. |
Registerkarte Netz
Netzpunkte
Wählen Sie hier die auszugleichenden Netzpunkte einschließlich der Festpunkte.
Standardabweichungen der Beobachtungen
Die durch das Messgerät (Device) gegebenen Standardabweichungen können hier überschrieben werden.
| Feld | Einheit | Bedeutung |
|---|---|---|
| Richtungen | gon | Standardabweichung einer gemessenen Richtung |
| Zieleinstellung | m | Standardabweichung der Zieleinstellung (Zentrierung von Instrument und Ziel) |
| Strecken absolut | m | konstanter Anteil der Streckenstandardabweichung |
| Strecken relativ | ppm | streckenabhängiger Anteil |
Festpunkte
Die Festpunkte (Anschlusspunkte) sind eine Untermenge der Netzpunkte: die identischen Punkte im Zielkoordinatensystem. Neben Nummerierungsbezirk und Punktnummer tragen Sie ein:
- Standardabweichungen – endgültig (m): Standardabweichung der Koordinaten in der endgültigen Ausgleichung. 0 hält den Punkt fest (Anschlusszwang); ein Wert größer 0 führt die Koordinaten als Beobachtung ein – der Punkt ist dann ein beweglicher Anschlusspunkt und erscheint im Protokoll unter Bewegliche Festpunkte.
- Standardabweichungen – vorläufig (m): Standardabweichung für die vorläufige Ausgleichung (Kontrollrechnung). Ist für keinen Festpunkt ein vorläufiger Wert gesetzt, wird keine vorläufige Ausgleichung gerechnet.
- Koordinaten verändern: Kennzeichnet Festpunkte, deren Koordinaten die Ausgleichung verändern darf.
Voreinstellungen für die Standardabweichungen der Festpunkte legen Sie in den Compiler-Optionen Ausgleichung fest.
Hinweis: In Baden-Württemberg sollen die Landeskoordinaten neuer AP in einer Ausgleichung mit beweglichen Anschlusspunkten berechnet werden; als Standardabweichung a priori der Anschlusspunkte kann 0,01 m angesetzt werden (VwVLV BW Nr. 42.5). Eine Ausgleichung mit Anschlusszwang (Standardabweichung 0) ist zu rechnen, wenn die Abweichung an mindestens einem Anschlusspunkt 0,03 m übersteigt und die Koordinaten des Anschlusspunktes nachweislich zutreffen.
Schalter
| Schalter | Wirkung | im Makro |
|---|---|---|
| Alle Punkte | Stellt auch Punkte, die im Projekt bestimmt wurden, als Festpunkte zur Auswahl (z. B. aus einer GNSS_NETZMESSUNG). Ab Werk gesetzt. | – |
| Freies Netz | Freie Netzausgleichung, siehe unten. | ,FVA
|
| Maßstab frei | Führt einen zusätzlichen, gemeinsamen Maßstab für alle Streckenbeobachtungen als Unbekannte in die Ausgleichung ein. Das Protokoll weist ihn als Maßstab aus Streckenmessung aus. | ,NM
|
| normalverteilte NV | Die normierten Verbesserungen werden als normalverteilt behandelt (Baarda-Test) statt als t-verteilt. Die Voreinstellung kommt aus den Compiler-Optionen. | ,NNV
|
Freies Netz
Bei gesetztem Schalter Freies Netz rechnet VermCad eine freie Netzausgleichung: Für die Koordinaten der Festpunkte werden keine Zwangs- oder Beobachtungsgleichungen geführt. Die Berechnung verläuft im Wesentlichen so, als würden Sie alle Festpunkte mit dem Flag o verwerfen; die Festpunkte lagern und orientieren das Netz nur.
- Eine freie Ausgleichung ist auch ohne oder mit nur einem Festpunkt möglich. Ohne Festpunkte liegen die Koordinaten in der Nähe des Nullpunkts; sonst dienen die eingelesenen Festpunkte als Startnäherung, und das Ergebnis liegt in ihrer Nähe.
- Wie bei einem mit o verworfenen Festpunkt werden veränderte Koordinaten der Festpunkte nur übernommen, wenn Sie das bei Koordinaten verändern anweisen.
- Das freie Netz zeigt, wie gut die Beobachtungen untereinander zusammenpassen – unbeeinflusst von Spannungen im Festpunktfeld. Es eignet sich deshalb, um grobe Fehler in den Beobachtungen zu suchen.
Weil die Festpunkte nicht in die Ausgleichung eingehen, liefert das freie Netz keine Standardabweichungen der Punkte: Fehlerellipsen, sX, sY, sL und der EKP (Berlin) entfallen, und das Produkt EF*SP (Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen) kann nicht gebildet werden. Das Protokoll weist mit einer Hinweiszeile darauf hin (siehe Freies Netz im Protokoll).
Hinweis: In Baden-Württemberg ist die freie Ausgleichung nach VwVLV BW Nr. 43.7 ein Untersuchungswerkzeug, wenn Grenzwerte der Berechnung oder der statistischen Überprüfung nicht eingehalten sind. Nach Abschluss der Untersuchung ist mit beweglichen Anschlusspunkten nach Nr. 42.5 zu rechnen – erst dieses Protokoll enthält die nach Nr. 43.5 geforderten EF*SP-Werte. Schalten Sie Freies Netz vor der Abgaberechnung also wieder ab.
Nicht zu verwechseln mit der globalen Option $FN bzw. dem Blockkopf-Parameter ,FN: Diese lassen nur eine freie Reihenfolge der Datensätze in Netzmessungen zu und haben mit der freien Ausgleichung nichts zu tun.
Registerkarten Richtungen und Polarstrecken
Hier geben Sie einzelne Standardabweichungen für gemessene Richtungen bzw. Strecken vor – abweichend von den Vorgaben der Registerkarte Netz. Ein großer Wert (z. B. 99) setzt eine Beobachtung praktisch außer Kraft.
Auf der Registerkarte Polarstrecken verwirft der Schalter Alle Strecken zwischen Festpunkten verwerfen alle Strecken zwischen zwei Festpunkten, die beide unter Zwang (Standardabweichung 0) stehen (Makro-Parameter ,DFHD).
Registerkarte Kreisel-Azimute
Wurden zusätzlich Kreisel-Azimute bestimmt, geben Sie diese hier mit ihrer Standardabweichung ein.
Registerkarte Spannmaße
Hier können zusätzliche Spannmaßkontrollen eingegeben werden.
Fuß des Fensters
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| Fehler aus | Die Berechnung meldet Überschreitungen nicht als Fehler. Der Schalter ist gesperrt, wenn das Projekt Berechnungsfehler ohnehin ignoriert. |
| Deaktiviert | Das Makro bleibt in der Messwertdatei stehen, wird aber nicht gerechnet. |
| Nachweis, Bemerkung | Freitexte, die in die Ergebnisliste übernommen werden. |
Einstellungen, die es nur im Makro gibt
Einige Einstellungen haben keinen Schalter im Dialog und werden im Quelltext der Messwertdatei im Kopf des Makros NETZAUSGLEICH gesetzt, u. a. ,DEA_EFSP (EP und EF*SP nicht berechnen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen), ,DEA_EKP (EKP nicht berechnen, Berlin) und ,NAE = n (Anzahl der Näherungsiterationen). Der Dialog lässt diese Angaben beim Speichern unverändert.
Siehe auch
- Die Ergebnisliste Netzausgleich
- Das Makro NETZAUSGLEICH
- Die Begriffsbestimmung
- Der Netzausgleich - Höhen
