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Flächendeckung nach jedem Fortführungsfall

Aus VermCAD Hilfe Wiki
Version vom 13. August 2026, 17:29 Uhr von Claude (Diskussion | Beiträge) (Bildschirmfotos Paket G Bloecke 6 bis 8 eingebunden (Aufnahme 13.08.2026, Ausgabe BW))

Ziel

Fortführungsfälle so aufbauen, dass die Daten nicht erst am Ende, sondern nach jedem einzelnen Fortführungsfall lückenlos und überschneidungsfrei sind. Das ist einer der häufigsten Gründe dafür, dass die Simulation bei der aufnehmenden Stelle abbricht, obwohl der Endzustand im Projekt einwandfrei aussieht. Fokus Baden-Württemberg.

Diese Seite beschreibt das dahinterstehende Prinzip und die daraus folgenden Arbeitsregeln. Die einzelnen Meldungstexte und ihre Sofort-Abhilfe stehen in Fortführungsfälle und Validierungsmeldungen, die Bedienung der Dialoge in ALKIS-Vollständige Fortführung und ALKIS-Geometrieangleichen.

Die Grundregel: fallbezogene Konsistenz

In Baden-Württemberg wird fortführungsfallbezogen gearbeitet. Die aufnehmende Datenhaltung arbeitet die Fortführungsfälle nacheinander ab und prüft nach jedem einzelnen Fall, ob der entstandene Datenbestand in sich stimmig ist — also flächendeckend und überschneidungsfrei. Verletzt schon ein Zwischenzustand diese Bedingung, bricht die Verarbeitung ab, auch wenn der Endzustand für sich genommen korrekt wäre.

Daraus folgt die wichtigste Arbeitsregel: Prüfen Sie Ihren Entwurf nicht nur als Ganzes, sondern Fall für Fall.

Hinweis: Zum Verständnis: VermCad hält je Objekt nur den aktuellen Geometriezustand. Ein Flurstück, das erst in einem späteren Fall untergeht, wird deshalb schon in früheren Fällen mit seiner Endgeometrie angezeigt. Der Export bildet die Zwischenzustände dennoch korrekt ab — VermCad schreibt dafür bei Bedarf zusätzliche Ersetzungssätze in die früheren Fälle.

Arbeitsregeln

Umringe am neuen Grenzpunkt aufbrechen

Setzt eine neue Grenze an einem Punkt an, der auf dem Umring eines untergehenden Flurstücks liegt, muss dieser Umring an genau diesem Punkt aufgebrochen werden. Fehlt der Bruch, überdecken sich die untergehenden Flurstücke nach Abarbeitung des Fortführungsfalls. Werkzeug: Geometrie angleichen mit der Aktion Linie am Punkt teilen (siehe ALKIS-Geometrieangleichen); liegen an derselben Stelle mehrere Linien übereinander, entscheiden Sie im Dialog Identische Linien teilen, welche mitgeteilt werden.

Verknüpfungspunkte in alle beteiligten Umringe aufnehmen

Jeder Punkt, der an der Flurstücksbildung beteiligt ist, muss in allen betroffenen Flurstücksrändern enthalten sein — nicht nur in dem Umring, an dem Sie gerade gearbeitet haben. Fehlt er in einem der Nachbarumringe, entsteht nach Abarbeitung des Falls eine Lücke.

Zwei saubere Wege, wenn die Bildung sonst nicht aufgeht:

  1. Die Punkte endgültig nummerieren und in alle betroffenen Flurstücksgrenzen einfügen. In einem Folgeprojekt können sie bei Bedarf wieder aus den Grenzen entfernt und historisiert werden.
  2. Die Flurstücksbildung anders aufbauen — etwa erst alle wegfallenden Flurstücke verschmelzen und das Ergebnis anschließend entlang der neuen Grenzen teilen.

Alle Umringe auf denselben Koordinaten führen

Enthält ein Umring an einer Stelle noch die alte grafische Koordinate, während der Nachbarumring dort bereits auf der neu berechneten Landeskoordinate liegt, überlappen sich die Flächen — in Ihren Daten oft nicht sichtbar, in der Verarbeitung aber sehr wohl. Ziehen Sie die Linien der untergehenden Flurstücke auf die neu berechneten Punkte, damit alle Umringe dieselben Koordinaten benutzen. Werkzeuge: Geometrie angleichen mit den Aktionen Punkte verschmelzen, Objekte auf Punktzwilling schieben und Punkt auf Linie schieben.

Umringe untergehender Flurstücke nicht nachträglich bereinigen

Entfernen Sie keine Punkte aus dem Umring eines Flurstücks, das untergeht, solange spätere Fortführungsfälle darauf aufbauen. Die Umringgeometrie der untergehenden Flurstücke ist Teil der Zwischenzustände; wird sie nachträglich „aufgeräumt", passen die Fälle nicht mehr zueinander.

Mitveränderte Nachbarflurstücke gehören in den Fall „Weitere Objekte"

Ändert sich die Geometrie eines Nachbarflurstücks nur mittelbar — etwa weil ein gemeinsamer Grenzpunkt neue Koordinaten bekommen hat —, darf dieses Flurstück nicht vom Export ausgenommen werden. Es gehört als Ersetzungssatz in den Fortführungsfall Weitere Objekte. Führen Sie dort die Auto-Export-Auswahl erneut aus und exportieren Sie neu.

Trennpunkte in Verschmelzungsketten

Wird in mehreren aufeinander folgenden Fällen entlang derselben Trennlinie verschmolzen, darf der trennende Punkt nicht schon im ersten Verschmelzungsfall aus dem Umring verschwinden — die Nachbarflurstücke laufen dann noch auf ihn zu, und es entsteht rechnerisch eine Lücke beziehungsweise Überlappung am Gebietsrand. Der Punkt muss im ersten Fall erhalten bleiben und darf erst im letzten Fall entfernt werden, dann aber in allen beteiligten Umringen gleichzeitig.

VermCad erzeugt diese Kette von Ersetzungssätzen für verschmolzene Linien und Bögen selbstständig: Das benachbarte Objekt wird in dem Fortführungsfall, in dem die Verschmelzung stattfindet, noch einmal mit der verschmolzenen Geometrie ausgegeben. Sie müssen den Punkt also nicht von Hand aus den Umringen entfernen.

Lücken zwischen Nutzungsartenflächen schließen

CAD-Ansicht mit einer markierten Lücke zwischen zwei Flurstücken samt Breitenmaß

Die Flächendeckung gilt nicht nur für Flurstücke, sondern ebenso für die tatsächliche Nutzung. Schmale Lücken zwischen Nutzungsartenflächen sind eine der häufigsten Ursachen abgebrochener Simulationen und im CAD kaum zu sehen. Passen Sie die Nutzungsartengrenzen an; auch hier hilft Geometrie angleichen. Meldet die Validierung eine solche Lücke nicht, obwohl die aufnehmende Stelle sie beanstandet, prüfen Sie zuerst den Programmstand: Ältere Stände konnten Flächendeckungsfehler an Nutzungsartobjekten übersehen. Bleibt die Lücke auch mit einer aktuellen Version unbemerkt, geben Sie den Projektstand bitte an den Support — dann kann die Validierung ergänzt werden.

Werkzeuge zur Kontrolle

Werkzeug Wo Wofür
Vergleichen / Lücken finden ALKIS-Vollständige Fortführung, Bereich Bestand und Neue Objekte Der Schieberegler blendet je Fall zwischen Bestands- und Neuobjekten um. Werden Lücken gefunden, erscheint daneben eine gelbe Schaltfläche mit deren Anzahl (z.B. 2 Lücken!); ein Klick springt im CAD zur ersten Lücke.
Validieren ALKIS-Vollständige Fortführung, Bereich Validierungs-Meldungen Prüft wahlweise den aktuellen oder alle Fortführungsfälle. Bei Bedarf wird zuvor übersetzt (F9).
Autom. angleichen ALKIS-Vollständige Fortführung, bei den Validierungsmeldungen Arbeitet die Angleich-Vorschläge zu den gemeldeten Geometrie-Inkonsistenzen ab.
Geometrie angleichen Ribbon-Tab ALKIS Zieht nahezu deckungsgleiche Punkte und Linien aufeinander. Aktionen u.a. Punkte verschmelzen, Linien verschmelzen, Punkt auf Linie schieben, Linie am Punkt teilen, Objekte auf Punktzwilling schieben, Bogenradius angleichen — siehe ALKIS-Geometrieangleichen.
Geometrie reparieren Kontextmenü der CAD-Statusanzeige Beseitigt ungewollte Sichtbarkeiten und Verschiebungen, entfernt Linien mit identischem Start- und Endpunkt und sucht geometrieveränderte ALKIS-Objekte, die noch nicht als solche markiert sind. Setzt ein übersetztes Projekt voraus; sonst ist der Eintrag gesperrt und lautet Geometrie reparieren (zuvor ist Prüfen/Übersetzen F9 nötig). Beim Öffnen des vFE-Dialogs läuft die Reparatur für das Bearbeitungsgebiet einmal automatisch.
Verschmelzung (anpassen) CAD-Funktionen Passt die erste der gewählten Flächen durch Verschmelzung an — der Reparaturweg für ein Objekt, dessen Geometrie den Bereich nicht mehr korrekt überdeckt.
Szenario mit Flurstücksfolien CAD Ein Szenario, in dem nur die Flurstücksfolien sichtbar sind, macht fehlende Überdeckung in großen Projekten sofort als weiße Fläche sichtbar — siehe Folien und Szenarien einrichten.

Typische Fehlerbilder

Die Simulation bricht ab, im eigenen Projekt ist nichts zu sehen

Symptom: Die aufnehmende Stelle meldet Flächendeckungsfehler oder Überlappungen. Liest man dieselbe Datei wieder in VermCad ein, sind weder Lücken noch Überlappungen zu erkennen. Betroffen sind meist Projekte mit mehreren aufeinander aufbauenden Fortführungsfällen.

Ursache: Der Fehler steckt nicht im Endzustand, sondern in einem Zwischenzustand nach einem der Fälle.

Abhilfe: Jeden Fall einzeln validieren und die Vergleichs-/Lücken-Funktion Fall für Fall durchgehen. Häufigste Auslöser sind ein nicht aufgebrochener Umring, ein fehlender Verknüpfungspunkt und ein mitveränderter Nachbar, der nicht im Fall Weitere Objekte liegt.

Bestands- und Neu-Flurstücke sind nicht deckungsgleich

Meldung: Bestands- und Neu-Flurstücke sind nicht deckungsgleich! (Differenz: … m²) — bei mehr als 1 m² Differenz als Warnung, darunter als Hinweis. In einer Variante nennt die Meldung zusätzlich die vermutlich fehlenden Flurstücke: Bestands- und Neu-Flurstücke sind nicht deckungsgleich! Eventuell fehlen folgende FS in der Auswahl: …

Ursache: Bei Zerlegung und Verschmelzung müssen alte und neue Flurstücke dieselbe Fläche abdecken. Entweder fehlt ein Flurstück in der Fallzusammenstellung, oder die Geometrien decken sich tatsächlich nicht.

Abhilfe: Erst die Zusammenstellung des Falls prüfen (nennt die Meldung fehlende Flurstücke, diese ergänzen), dann die Geometrie über Vergleichen/Lücken finden.

Der Flurstücksumring läuft über untergehende Grenzpunkte

Meldung: Der Flurstücksumring läuft über untergehende Grenzpunkte.

Ursache: Grenzpunkte wurden als untergehend gekennzeichnet, obwohl das neue Flurstück weiterhin über sie verläuft.

Abhilfe: Entweder die Untergangs-Kennzeichnung an diesen Punkten zurücknehmen, oder den Umring so bilden, dass er die Punkte nicht mehr benutzt. Eine entsprechende Meldung gibt es auch für linienhafte Begleitobjekte: Die bestehende … verläuft über untergehende Grenzpunkte (…). Sie darf nicht ersetzt werden, sondern muss untergehen und neu gebildet werden.

Geometrische Inkonsistenz: Lücken oder Überschneidungen

Bestätigungsdialog Geometrie reparieren mit Erklärungstext

Meldungen: Geometrische Inkonsistenz: Die Flurstücke weisen Lücken auf. […], Geometrische Inkonsistenz: Die Nutzungsarten weisen Lücken auf. […], Geometrische Inkonsistenz: Die Objekte weisen Lücken auf. […] sowie entsprechend … einige Flurstücke überschneiden sich. […] und … einige Nutzungsarten überschneiden sich. […]. Für neue und geänderte Objekte lauten die Meldungen Die neuen und geänderten Flurstücks-Objekte überschneiden sich. […] bzw. … Nutzungsarten-Objekte …. In eckigen Klammern steht jeweils die betroffene Fläche.

Ursache: Die veränderten und gelöschten Objekte auf der einen und die neuen und veränderten Objekte auf der anderen Seite decken nicht dieselbe Fläche ab.

Abhilfe: Meldung anfliegen, Geometrie über ALKIS-Geometrieangleichen bereinigen. Bei Nutzungsarten die Nutzungsartengrenzen nachziehen.

Der Rand enthält vorläufig nummerierte Grenzpunkte

Meldung: Der Rand enthält vorläufig nummerierte Grenzpunkte (V-Punkte: …).

Ursache: Punkte mit vorläufiger Nummerierung werden nicht abgegeben. Soll ein solcher Punkt dauerhaft Grenzpunkt bleiben, muss er vorher endgültig nummeriert werden.

Abhilfe: Über die Korrektur-Aktion der Meldung die betroffenen Punkte im Parameter-Dialog öffnen und entscheiden: endgültig nummerieren oder aus dem Rand nehmen. Ein Trennpunkt, der nur vorübergehend gebraucht wird, darf im Umring bleiben — er wird beim Export der Erhebungsdaten ohnehin nicht ausgegeben.

Beanstandet wird ein Bereich, an dem gar nicht gearbeitet wurde

Symptom: Das Fehlerprotokoll verweist auf einen Flächenbereich oder eine Objektkennung, mit der die eigene Bearbeitung nichts zu tun hat.

Ursache: Häufig stammt der Bereich von einem gelöschten Flurstück, dessen Geometrie inkonsistent verändert wurde und den Bereich deshalb nicht mehr sauber überdeckt. Die zugehörige Validierungsmeldung war im Projekt oft bereits als OK abgehakt.

Abhilfe: Prüfen Sie zuerst, ob die genannte Objektkennung überhaupt im zuletzt versendeten Datenstand vorkommt — sonst bezieht sich die Meldung auf eine ältere Lieferung. Die Geometrie lässt sich anschließend mit Verschmelzung (anpassen) reparieren.

Vor der Abgabe

  • Alle Validierungsmeldungen durchgehen — ausdrücklich auch die bereits als OK abgehakten. Ein abgehakter Haken unterdrückt die Meldung nur in der Auswertung, nicht das Problem.
  • Geometrische Änderungen, die außerhalb des Bearbeitungsgebiets entstanden sind (z.B. durch großzügiges Geometrieangleichen), zurücknehmen — sonst entstehen ungewollte zusätzliche Fortführungsfälle. Siehe Geometrieänderungen verwalten.
  • Nach jeder Korrektur neu übersetzen (F9) und neu exportieren.

Hinweis: Die aufnehmende Verarbeitung bleibt bei der ersten Ungereimtheit stehen und liefert pro Lauf nur eine Fehlermeldung zurück. Gerade in großen Projekten lohnt es sich deshalb, vor der Abgabe wirklich jede Meldung zu klären, statt sich Runde für Runde vorzuarbeiten. Planen Sie dafür auch Zeit ein: Bei sehr vielen Fortführungsfällen dauert die Erzeugung des Fortführungsauftrags in der aufnehmenden Datenhaltung mehrere Minuten bis zu einer knappen halben Stunde — das ist kein Fehler.

Siehe auch