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Veränderung der tatsächlichen Nutzung mit und ohne Wirtschaftsart

Aus VermCAD Hilfe Wiki
Version vom 5. August 2026, 17:24 Uhr von Claude (Diskussion | Beiträge) (Neue Seite: Veränderung der tatsächlichen Nutzung mit und ohne Wirtschaftsart — Entstehung des Anlasses, Nachziehen, ungewollte Fälle)
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Ziel

Diese Seite erklärt, wann VermCad die Fortführungsfälle zur Veränderung der tatsächlichen Nutzung bildet, wie die automatische Erkennung arbeitet und was zu tun ist, wenn ein benötigter Fall ausbleibt oder ein unerwünschter Fall entsteht. Sie richtet sich an alle, die Fortführungsvermessungen mit dem Dialog ALKIS-Vollständige Fortführung abschließen. Fokus Baden-Württemberg.

Die Bedienung der Funktion Nutzung ändern selbst ist unter ALKIS-Arbeitsabläufe-Nutzung eines Flurstücks ändern beschrieben; die Anlass-Übersicht und die Meldungstabelle stehen unter ALKIS-Arbeitsabläufe-Fortführungsfälle und Validierungsmeldungen.

Die beiden Anlässe

Schlüssel Anlass Fortführungsnachweis
300300 Veränderung der tatsächlichen Nutzung (ohne Änderung der Wirtschaftsart) in BW nicht nachweispflichtig
010403 Veränderung der tatsächlichen Nutzung mit Änderung der Wirtschaftsart in BW nachweispflichtig

Für einen nicht nachweispflichtigen Anlass erzeugt VermCad beim Export kein Objekt AX_Fortfuehrungsfall. Der Dialog weist darauf hin: „Nicht-nachweispflichtiger Anlass: Fall wird nicht als <AX_Fortfuehrungsfall> in den FF-Entwurf integriert." Beide Anlässe sind Sammelfall-Anlässe: In einem solchen Fall dürfen mehrere Flurstücke stehen. Das gilt außerdem für 010402 (Veränderung der Lagebezeichnung) — bei allen übrigen Anlässen ist die zulässige Objektzahl je Fall eingeschränkt.

Bei einem Fall mit Anlass 010403 berechnet VermCad keine Flächenkorrektur (Hare-Niemeyer); die Schaltfläche bleibt hier ohne Wirkung.

Die automatisch gebildeten Fälle heißen im Register NUA bzw. NUA+WA, die Kurzinfo lautet „Änderung der Nutzungsart" bzw. „Änderung der Nutzungsart mit Änderung der Wirtschaftsart".

Wie VermCad die Änderung erkennt

Welche Flurstücke überhaupt geprüft werden

Aus Laufzeitgründen prüft VermCad beim Übersetzen (F9) nicht sämtliche Flurstücke des Bestands, sondern nur

  • alle Flurstücke, die bereits in die Projektdaten übernommen wurden (also solche, an denen gearbeitet wurde), und
  • alle Flurstücke, die eine geometrieveränderte Nutzungsfläche schneiden.

Ein Flurstück, auf das keiner der beiden Punkte zutrifft, wird nicht auf eine Nutzungsartenänderung untersucht — und taucht folglich auch in keinem automatisch gebildeten Fall auf.

Die Prüfregel

Für jedes geprüfte Bestandsflurstück verschneidet VermCad Flurstück und Nutzung und vergleicht das Ergebnis des Ist-Zustands mit dem des Vorgabe-Zustands. In dieser Reihenfolge:

  1. Nutzungsartenschlüssel vergleichen. Unterscheiden sich die Schlüssel der beteiligten Nutzungen — auch nur in ihrer Reihenfolge —, gilt das Flurstück als nutzungsartverändert.
  2. Flächenanteile vergleichen. Sind die Schlüssel gleich, werden Anzahl und Flächenanteile der Nutzungen verglichen; die Toleranz beträgt 0,1 m². Ein Unterschied allein genügt aber nicht: Zusätzlich muss im Rand mindestens einer beteiligten Nutzungsfläche ein Punkt liegen, der kein Grenzpunkt ist und der neu ist oder neue Koordinaten erhalten hat. Damit lösen reine Koordinatenverbesserungen an Grenzpunkten keinen Fortführungsfall aus; eine in neuer Lage aufgemessene Nutzungsgrenze dagegen schon.
  3. Wirtschaftsart vergleichen. Erst wenn Schritt 1 oder 2 eine Nutzungsartenänderung ergeben hat, wird die Wirtschaftsart untersucht. Verglichen wird die Menge der Wirtschaftsarten, die sich aus allen beteiligten Nutzungsarten ergibt — es können mehrere sein. Grundlage ist dabei der amtliche Nutzungsartenschlüssel, damit z.B. ein Wechsel bei Erweiterungs-/Neuansiedlung keine Wirtschaftsartänderung vortäuscht.

Ohne erkannte Nutzungsartenänderung kann es also auch keine erkannte Wirtschaftsartänderung geben.

Wie die Fälle daraus gebildet werden

Beim Öffnen des Dialogs ALKIS-Vollständige Fortführung sammelt die automatische Fallermittlung alle Bestandsflurstücke ein, die

  • nutzungsart- oder wirtschaftsartverändert sind,
  • nicht lageverändert sind und
  • noch in keinem anderen Fortführungsfall Kernobjekt sind.

Flurstücke mit geänderter Wirtschaftsart kommen in den Fall NUA+WA (010403), die übrigen in den Fall NUA (300300). Zur Reihenfolge, in der die Fallermittlung insgesamt arbeitet, siehe Automatische Fallermittlung.

Einen unerwünschten Fall dauerhaft aus dem Entwurf nehmen

Ein automatisch gebildeter Fall, der fachlich nicht abgegeben werden soll, muss nicht immer wieder gelöscht werden — beim nächsten Aufschalten des Dialogs entsteht er ohnehin erneut. Stattdessen den Schalter oben links im Fallkopf auf Nicht integriert stellen (Kontrollkästchen Integriert, Hinweistext „In FF-Entwurf integrieren?"). Ein nicht integrierter Fall

  • wird nicht exportiert,
  • wird nicht validiert (seine Meldungen verschwinden),
  • zählt nicht in der Nummerierung der Fortführungsfälle mit,
  • bleibt aber im Projekt erhalten und ist an der roten Beschriftung erkennbar.

So lässt sich ein Fall, den erst eine winzige Restfläche ausgelöst hat, ein für alle Mal stilllegen. Besser ist es, zusätzlich die auslösende Geometrie zu bereinigen.

Typische Fehlerbilder

Die Nutzungsänderung wird gar nicht erkannt

Symptom: Die Nutzung wurde geändert, der Fortführungsdialog bildet aber keinen Fall dafür.

Ursache: Das Flurstück wurde nicht als bearbeitet erkannt und deshalb nicht geprüft (siehe oben).

Abhilfe: Das betroffene Flurstück einmal im ALKIS-Objekt-Parameter-Dialog öffnen und wieder schließen — damit wird es in die Projektdaten übernommen. Anschließend mit F9 übersetzen und den Fortführungsdialog erneut aufschalten; der Veränderungsstatus wird dann neu bestimmt.

Es entsteht nur der Fall ohne Wirtschaftsart

Symptom: Fachlich wird 010403 benötigt, VermCad bildet aber nur den Fall 300300.

Ursache: Der Vergleich der Wirtschaftsarten hat keinen Unterschied ergeben. Häufigster Grund: Auf der Altseite steht eine Nutzungsart, deren Schlüssel seit der Umstellung des Objektartenkatalogs keine gültige Nutzungsart mehr ist. Zu einem solchen Schlüssel lässt sich keine Wirtschaftsart ermitteln, die Mengen fallen gleich aus, und der Automatismus greift prinzipbedingt nicht.

Abhilfe: Den Fall von Hand anlegen und ihm den Anlass „Veränderung der tatsächlichen Nutzung mit Änderung der Wirtschaftsart" zuweisen, die betroffenen Flurstücke in den Bestand des Falls aufnehmen und den automatisch gebildeten Fall 300300 auf Nicht integriert stellen. Die daraus folgende Validierungsmeldung (siehe nächster Abschnitt) ist dann sachlich zu prüfen und abzuhaken.

„... ist nicht Wirtschaftsart-verändert und sollte nicht Kernobjekt dieses Fortführungsfalls sein."

Symptom: Nach dem manuellen Anlegen eines Falls meldet die Validierung als Fehler eine dieser Zeilen:

  • „Das Flurstück <Nr> ist nicht NUA-verändert und sollten nicht Kernobjekt dieses Fortführungsfalls sein."
  • „Das Flurstück <Nr> ist nicht Wirtschaftsart-verändert und sollten nicht Kernobjekt dieses Fortführungsfalls sein."
  • „Das Flurstück <Nr> ist nicht lageverändert und sollten nicht Kernobjekt dieses Fortführungsfalls sein."
  • „Das Flurstück <Nr> ist NUA-verändert und sollten in einem anderen Fortführungsfall exportiert werden." (entsprechend für lageverändert und Wirtschaftsart-verändert)

Ursache: VermCad prüft bei den drei Sammelfall-Anlässen, ob jedes enthaltene Flurstück auch wirklich die zum Anlass passende Veränderung trägt. Die Meldung erscheint also immer dann, wenn die eigene fachliche Einschätzung von der Programm­erkennung abweicht — insbesondere im oben beschriebenen Katalogfall.

Abhilfe: Ist die Zuordnung fachlich korrekt, die Meldung über die Spalte OK abhaken. Andernfalls bietet die Korrektur-Aktion der Meldung an, die Objekte in den passenden Fortführungsfall zu verschieben.

„Für diesen Fortführungs-Anlass werden keine neuen Objekte erwartet."

Symptom: Diese Meldung steht in einem Fall zur Nutzungs- oder Lageänderung.

Ursache: In den Fällen mit Anlass 300300, 010403 und 010402 (ebenso bei Flurstückslöschung, Gebäudelöschung und Flächenberichtigung) dürfen nur Bestandsobjekte stehen — es entstehen keine neuen Flurstücke.

Abhilfe: Die neuen Objekte gehören in den Fall, in dem sie entstehen. Die Korrektur-Aktion der Meldung entfernt sie aus diesem Fall und lässt die Fallermittlung erneut laufen.

Ein Fall entsteht wegen einer Splissfläche

Symptom: Ein Fall zur Nutzungs- oder Wirtschaftsartänderung wird gebildet, obwohl sich nur eine Restfläche von wenigen Quadratzentimetern verändert hat — meist, weil ein Nutzungsartenpunkt auf einen Grenzpunkt gezogen wurde und dabei ein Zipfel der bisherigen Nutzung entfällt.

Ursache: Die Erkennung ist korrekt: Der Nutzungsartenschlüssel oder der Flächenanteil hat sich tatsächlich geändert.

Abhilfe: Die auslösende Geometrie bereinigen — siehe ALKIS-Geometrieangleichen. Ist der Fall fachlich nicht abzugeben, ihn dauerhaft auf Nicht integriert stellen statt ihn jedes Mal zu löschen.

Siehe auch



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