Statische Messung (PostProcessing)
Mit dem GNSS-Empfänger PRONIVO PNR21 kann VermCad ab Version 5.1 eine statische Messung steuern: Der Rover zeichnet auf einem Punkt über eine eingestellte Dauer die Rohdaten der Satellitenbeobachtungen auf. Die Messdatei wird anschließend über das WLAN des Rovers auf den Rechner geladen und im Postprocessing ausgewertet, z. B. mit SAPOS-Daten. Beim Laden legt VermCad neben der Originaldatei zusätzlich eine Datei im Austauschformat RINEX 3.04 ab, die gängige Postprocessing-Programme lesen.
Voraussetzungen
- Im Dialog Instrumente ist für den GNSS-Empfänger im Unterreiter Schnittstellendefinition der Gerätetyp PRONIVO PNR21 eingestellt und die Option Statische Messung (PostProcessing) angehakt.
- Zum Laden der Messdateien ist der Rechner im WLAN-Hotspot des Rovers angemeldet. Eine Bluetooth-Verbindung zum Rover ist dafür nicht nötig – die Dateien lassen sich auch später, z. B. im Büro, laden.
Messen
Die Einstellungen stehen im Messdialog unter Optionen → GNSS → Messepoche in der Gruppe [ Statische Messung ]:
- Messdauer [min]: Dauer der Aufzeichnung; danach beendet der Rover die Aufzeichnung selbst. Für das Postprocessing empfehlen wir mindestens 8 Minuten – bei kürzeren Messungen erscheint nach dem Laden ein Hinweis.
- Rover-Adresse (WLAN): Adresse des Rovers in seinem WLAN-Hotspot, beim PNR21 192.168.10.1.
- Zielverzeichnis: Ordner auf dem Rechner, in den die Messdateien geladen werden.
- Knopf Messdateien vom Rover laden...: öffnet den Download-Dialog.
Unterstützt das gewählte Messgerät die statische Messung nicht, steht in der Gruppe ein roter Hinweis.
Im Reiter GNSS schaltet der Schalter Statische Messung zwischen RTK-Messung und statischer Messung um. Er erscheint, wenn ein Gerät mit der Option Statische Messung (PostProcessing) verbunden ist (nicht im Demo-Modus). Im statischen Modus startet der Messen-Knopf die Aufzeichnung im Rover, ein zweiter Druck beendet sie vorzeitig; die Messdauer lässt sich auch direkt im Reiter einstellen (derselbe Wert wie in den Optionen). Die Speichern-Knöpfe sind gesperrt, der Fortschrittsbalken zeigt die abgelaufene und die eingestellte Zeit.
Am Ende meldet VermCad Statische Messung abgeschlossen mit Messdauer, Dateiname im Rover und Zahl der Messwerte. Ist ein Zielverzeichnis eingestellt, fragt VermCad anschließend, ob die Datei gleich vom Rover geladen werden soll; mit Ja öffnet sich der Download-Dialog, die Datei der gerade beendeten Messung ist dort schon angehakt.
Messdateien vom Rover laden
Der Dialog Messdateien vom Rover laden (statische Messung) holt die Aufzeichnungen über das WLAN des Rovers:
| Bedienelement | Bedeutung |
|---|---|
| Adresse (WLAN) | Adresse des Rovers (Vorgabe aus den Optionen, PNR21: 192.168.10.1). |
| Liste vom Rover holen | Holt die Liste aller Messdateien aus allen Datumsordnern des Rovers. |
| Zielverzeichnis auf diesem Rechner | Ordner für die geladenen Dateien; mit ... auswählen. Adresse und Zielverzeichnis werden in die Optionen übernommen. |
| Dateiliste | Spalten Datei, Ordner, KB und Zeit. Angehakte Dateien werden geladen. |
| Alle an/aus | Alle Dateien an- bzw. abhaken. |
| Zusätzlich nach RINEX umwandeln | Legt zu jeder geladenen Datei eine RINEX-Datei ab (siehe unten). |
| Angehakte herunterladen | Lädt die angehakten Dateien in das Zielverzeichnis. |
| Schließen | Schließt den Dialog. |
Gibt es eine Datei im Zielverzeichnis schon, fragt VermCad nach: Ja überschreibt diese Datei, Nein überspringt sie, Abbrechen überschreibt diese und alle weiteren ohne erneute Rückfrage. Während des Ladens sind alle Knöpfe und der Schalter gesperrt. Stimmt die Größe einer geladenen Datei nicht mit der Angabe des Rovers überein, zählt sie als fehlgeschlagen (Einzelheiten in der Logdatei).
Meldet die Statuszeile Rover nicht erreichbar, ist der Rechner nicht im WLAN des Rovers. Hängt er zusätzlich per LAN-Kabel in einem Netz, in dem ein anderes Gerät dieselbe Adresse hat (z. B. eine FRITZ!Box), das Kabel abziehen.
RINEX-Umwandlung
Ist der Schalter Zusätzlich nach RINEX umwandeln angehakt (Vorgabe), wandelt VermCad jede erfolgreich geladene Datei gleich nach dem Laden um. Der Zustand des Schalters wird beim Schließen des Dialogs gespeichert. Die Umwandlung gilt nur für Messdateien des PNR21.
Wozu: Der PNR21 speichert seine Aufzeichnung in einem eigenen Format (Textkopf und Binärdaten des Septentrio-Empfängers). Das SAPOS-Postprocessing (z. B. Wa2) liest dieses Format nicht, wohl aber RINEX.
Ergebnis: Im Zielverzeichnis liegen danach beide Dateien: die unveränderte Originaldatei und die RINEX-Beobachtungsdatei. Während der Umwandlung zeigt die Statuszeile Wandle … nach RINEX um ... und der Fortschrittsbalken läuft mit; auch lange Messungen lassen sich so umwandeln, der Dialog bleibt bedienbar. Am Ende meldet die Statuszeile z. B. RINEX: 1 umgewandelt. bzw. RINEX: 1 umgewandelt, 1 nicht umgewandelt.
Die RINEX-Datei enthält die Beobachtungen von GPS, GLONASS, Galileo, BeiDou, QZSS und SBAS (keine Navigationsdatei). In den Kopf übernimmt VermCad aus der Messdatei den Punktnamen, Beobachter und Stelle (so wie im Rover eingetragen), Typ, Seriennummer und Firmware des Empfängers, die Antennenhöhe (bezogen auf die Antennenunterkante, ARP), die Näherungsposition und den Antennennamen.
Dateiname
Die RINEX-Datei bekommt einen Namen im Kurzformat ssssdddf.yyO:
| Teil | Bedeutung |
|---|---|
| ssss | die ersten vier Buchstaben bzw. Ziffern des Punktnamens (Großbuchstaben, Sonderzeichen entfallen); kürzere Namen werden links mit 0 aufgefüllt |
| ddd | Tag im Jahr des Messbeginns (001 bis 366) |
| f | Sitzungskennung: 0 für die erste Messung, 1 … 9 und a … z für weitere Messungen auf demselben Punkt am selben Tag |
| yy | Jahr, zweistellig |
| O | Beobachtungsdatei (Observation) |
Beispiel: Punkt 1001, gemessen am 05.10.2026 (Tag 278) → 10012780.26O.
Eine zweite Messung auf demselben Punkt am selben Tag überschreibt die erste nicht, sondern bekommt die nächste Sitzungskennung (…1.26O). Lädt man dieselbe Messdatei noch einmal, ersetzt VermCad dagegen deren eigene RINEX-Datei, statt eine weitere anzulegen. Ist die vorhandene RINEX-Datei in einem anderen Programm geöffnet, bleibt sie unverändert: Je nach Sperre meldet VermCad entweder, dass die Datei nicht geschrieben werden kann, oder legt die neue Datei unter der nächsten Sitzungskennung an und weist darauf hin.
Hinweise nach dem Laden
Nach der Umwandlung prüft VermCad die Messung auf Auffälligkeiten. Gibt es welche, endet die Statuszeile mit Bitte die Hinweise beachten. und ein Meldungsfenster Hinweise zur RINEX-Umwandlung listet sie auf – je Zeile der Name der RINEX-Datei und der Hinweis. So fällt eine zu kurze oder lückenhafte Messung noch im Feld auf. Die RINEX-Datei wird trotzdem erzeugt.
| Hinweis (sinngemäß) | Bedeutung, was tun |
|---|---|
| Messdauer nur … min | Die Aufzeichnung ist kürzer als 8 Minuten – für eine statische Auswertung meist zu kurz. Messung ggf. mit längerer Messdauer wiederholen. |
| … von … Epochen fehlen | Mehr als 5 % der Epochen fehlen, die Aufzeichnung hat Lücken. |
| Im Mittel nur … Satelliten mit Trägerphase | Im Mittel weniger als 5 Satelliten mit Trägerphase – Abschattung? Die Auswertung ist unsicher. |
| … Epochen mit weniger als 4 Satelliten | In mehr als 10 % der Epochen weniger als 4 Satelliten mit Trägerphase – zeitweise Abschattung. |
| … Epochen mit Zeitrücksprung bzw. doppelter Zeit | Die Zeitangaben der Aufzeichnung widersprechen sich; bitte prüfen. |
| Keine gültige GPS-Zeit | Die Zeit der Aufzeichnung ist ungültig; die Messung ist für das Postprocessing unbrauchbar. |
| … Byte der Aufzeichnung sind unlesbar | Ein Teil der Datei ist beschädigt oder die Aufzeichnung wurde abgebrochen; der Bereich wird übersprungen. |
| … Messblöcke in nicht unterstützter Revision | Teile der Datei haben ein Format, das VermCad nicht kennt (Firmware des Rovers geändert?); sie werden übersprungen. |
| Antennenhöhe fehlt im Kopf der Messdatei | In der RINEX-Datei steht die Antennenhöhe 0,000 m – im Postprocessing richtige Antennenhöhe eintragen. |
| Antennenhöhe … ist unplausibel | Die Antennenhöhe ist 0 oder kleiner bzw. größer als 5 m; bitte prüfen. |
| Höhenbezug der Antennenhöhe fehlt | VermCad nimmt an, dass die Antennenhöhe auf die Antennenunterkante (ARP) bezogen ist. |
| Antennenhöhe bezieht sich laut Rover auf … | Die Antennenhöhe hat einen anderen Bezug als die Antennenunterkante (ARP). VermCad rechnet nicht um; Antennenhöhe im Postprocessing prüfen. |
| Näherungsposition fehlt im Kopf | Im RINEX-Kopf steht 0/0/0; für das Postprocessing meist unkritisch. |
Wann keine RINEX-Datei entsteht
In diesen Fällen bleibt nur die Originaldatei liegen; das Meldungsfenster nennt den Grund, die Statuszeile zählt die Datei als nicht umgewandelt:
- Die Datei ist keine Messdatei des PNR21 (Textkopf fehlt).
- Die Datei enthält keine Messepochen.
- Die Messdaten liegen ausschließlich in einem Format vor, das VermCad nicht kennt (Firmware des Rovers geändert?).
- Alle 36 Dateinamen (Sitzungskennungen) für diesen Punkt und Tag sind schon belegt – VermCad überschreibt keine RINEX-Datei, die zu einer anderen Messung gehört.
- Die Zieldatei kann nicht geschrieben werden, z. B. weil sie in einem anderen Programm geöffnet ist oder im Zielverzeichnis keine Datei angelegt werden kann.
Eine abgebrochene Umwandlung hinterlässt keine halbe RINEX-Datei.
Antenne im Postprocessing prüfen
Achtung: Als Antennenname übernimmt VermCad den Namen aus dem Kopf der PNR21-Messdatei. Das ist (noch) kein Antennenname nach IGS-/ANTEX-Konvention, wie ihn Postprocessing-Programme für die Phasenzentrumskorrektur erwarten. Bitte im Postprocessing prüfen, ob die Antenne richtig zugeordnet ist, und sie ggf. von Hand auswählen – sonst drohen Höhenfehler im Zentimeterbereich. Ebenso die Antennenhöhe und ihren Bezug (Antennenunterkante, ARP) kontrollieren.
Grenzen
- Umgewandelt wird nur beim Laden über diesen Dialog. Früher geladene Messdateien wandelt VermCad nicht nachträglich um – dazu die Datei erneut vom Rover laden.
- Die Umwandlung gilt nur für Messdateien des PRONIVO PNR21.
- Die Antennenhöhe wird übernommen, wie der Rover sie meldet; bei einem anderen Höhenbezug als der Antennenunterkante wird nicht umgerechnet (siehe Hinweise).