Kleinstflächen, Flächenrundung und Splissflächen
Ziel
Landeshinweis BW.
Zwei Themen, die im Alltag gern verwechselt werden, weil beide mit sehr kleinen Flächen zu tun haben:
- die Flächenrundung — wie die amtliche Fläche eines Flurstücks auf Quadratmeter gebracht wird und warum ein Flurstück mit 0 m² zulässig ist;
- die Splissflächen — unerwünschte Kleinst- und Schmalflächen, die beim Verschneiden von Flurstück und Nutzung entstehen und nach festen Grenzwerten ausgeschieden werden.
Die Seite richtet sich an alle, die Fortführungsvermessungen mit dem Dialog ALKIS-Vollständige Fortführung abschließen. Wann eine Flächenberichtigung anzusetzen ist und wie der zulässige Fehler berechnet wird, steht in Flächenberichtigung durchführen.
Flächenrundung
Die Regel
Flurstücksflächen sind auf Quadratmeter gerundet anzugeben (Nummer 280 Absatz 1 VwVLV) — also kaufmännisch gerundet und nicht abgeschnitten. Daraus folgt für die Baden-Württemberg-Ausgabe von VermCad:
| berechnete Fläche | ausgewiesene und exportierte amtliche Fläche |
|---|---|
| größer als 0,5 m² | auf volle Quadratmeter gerundet |
| genau 0,5 m² | 1 m² |
| kleiner als 0,5 m² | 0 m² |
Ein Flurstück mit einer amtlichen Fläche von 0 m² ist damit zulässig und kein Rechenfehler. Die Regel wirkt einheitlich
- im Dialog Vollständige Fortführung,
- im ALKIS-Objekt-Parameter-Dialog,
- in den Flächenberechnungen und
- im Export, also im Element amtlicheFlaeche der Abgabedatei.
Ist am Flurstück eine Flächenkorrektur gesetzt, zeigen die Dialoge zusätzlich den korrigierten Wert in der Form (korr.: … m²) an.
Hinweis: Andere Bundesland-Ausgaben von VermCad runden abweichend — in einigen Ländern werden Flächen unter 0,5 m² mit zwei Nachkommastellen geführt. Die hier beschriebene Ganzzahlrundung gilt für Baden-Württemberg.
Darstellung im Fortführungsnachweis
Im Fortführungsnachweis und in den zugehörigen Belegen werden Nullflächen auf ganze Quadratmeter ausgegeben — dort steht also 0 und nicht 0.00. Der exakte Kleinstwert wird bewusst nicht ausgewiesen. Das betrifft sowohl die Flurstücksfläche als auch die Flächen der tatsächlichen Nutzung; beide werden über dieselbe Ausgabefunktion formatiert.
Wer im Entwurf eine Kleinstfläche als 0 sieht, hat also keinen Rundungsfehler vor sich, sondern die vorgesehene Darstellung.
Keine künstliche Flächenkorrektur
Es liegt nahe, eine Kleinstfläche über eine Flächenkorrektur von 0,5 m² auf 1 m² „hochzuziehen", damit im Fortführungsnachweis keine Null steht. Das ist fachlich falsch. Die Korrektur verändert die Flächenbilanz, und auf der Restfläche entsteht dadurch eine zusätzliche Flächenberichtigung, die niemand wollte.
Die Flächenkorrektur ist das Werkzeug, um eine vorhandene Flächendifferenz auf die neuen Flurstücke zu verteilen — nicht, um eine Rundung zu umgehen. Siehe Flächenkorrektur verteilen.
Rundung und zulässige Abweichung
Weicht der Vergleich der eigenen Werte mit denen der Behörde in Grenzfällen um einen Quadratmeter ab, lohnt der Blick darauf, ob gerundete Werte verglichen werden: Für die zulässige Abweichung wird zuerst die Fläche auf volle Quadratmeter gerundet und anschließend auch der zulässige Fehler. Die Formel und ihre Anwendung stehen in Der zulässige Fehler.
Splissflächen
Was eine Splissfläche ist
Wird ein Flurstück mit den Objekten der tatsächlichen Nutzung (und entsprechend mit Bodenschätzung, Bewertung oder öffentlich-rechtlichen Festlegungen) verschnitten, entstehen an den Rändern zwangsläufig winzige oder fadendünne Restflächen. Sie sind fachlich ohne Aussage und sollen nicht als eigene Teilfläche nachgewiesen werden. Solche Reste heißen Splissflächen.
Die Regelung dazu ist von der AdV für alle ALKIS-Themen einheitlich vorgegeben und in Baden-Württemberg sowohl in der Erhebungskomponente als auch in der Datenhaltung umgesetzt. VermCad wendet dieselben Schwellwerte an.
Zwei Ausscheidungskriterien
1. Mindestgröße. Eine durch die Verschneidung entstandene Teilfläche, die kleiner als die Mindestgröße ist, wird ausgeschieden. Dieses Kriterium greift nur, wenn das Flurstück selbst mindestens 1 m² groß ist.
2. Verhältniszahl. Für jede Teilfläche wird das Verhältnis Umfang [m] geteilt durch Fläche [m²] gebildet (Einheit 1/m). Überschreitet es die Verhältniszahl, ist die Teilfläche zu schmal und wird ebenfalls ausgeschieden. Ausnahme: Eine sogenannte Stachelfläche bleibt erhalten, wenn sie einen „Kern" hat — wenn sie also an ihrer dicksten Stelle mindestens doppelt so breit ist wie der Parameter Puffer Stachelfläche.
Ist nur eine einzige Teilfläche vorhanden, wird nichts ausgeschieden.
Die Grenzwerte in Baden-Württemberg
So stehen die Werte in der mitgelieferten Konfigurationsdatei (Stand der Konfiguration: Version 1.2.0 vom 24.07.2024):
| Bereich | Mindestgröße | Verhältniszahl | Puffer Stachelfläche | Aggregation |
|---|---|---|---|---|
| Grundeinstellung — gilt für die tatsächliche Nutzung und die öffentlich-rechtlichen Festlegungen | 0,5 m² | 10 1/m | 0,10 m | ja |
| Bodenschätzung (AX_Bodenschaetzung) | 2 m² | 4 1/m | 0,25 m | nein |
| Bewertung (AX_Bewertung) | 2 m² | 4 1/m | 0,25 m | ja |
Für die Nutzungsarten aus den Bereichen Verkehr (Straßenverkehr, Weg, Platz, Bahn-, Flug-, Schiffsverkehr) und Gewässer (Fließgewässer, Hafenbecken, stehendes Gewässer) trägt die Konfigurationsdatei die Verhältniszahl 0 ein. Der Wert 0 ist in der Vorgabe als „Kriterium abgeschaltet" gemeint — die schmale Form allein soll dort also nicht zum Ausscheiden führen. Die Mindestgröße von 0,5 m² ist für diese Objektarten nicht gesondert geregelt.
Hinweis: Die Grenzwerte für Bodenschätzung und Bewertung wurden 2024 in Abstimmung mit der Finanzverwaltung angepasst — die Mindestgröße von 0,5 auf 2 m², die Verhältniszahl auf 4. Ältere Aussagen zu diesen beiden Bereichen sind überholt.
Wo die Grenzwerte stehen
Die Werte liegen nicht im Programm, sondern in einer Konfigurationsdatei der Installation:
resource\SplissFlaechenConfig\konfiguration_bw.xml
Jede Bundesland-Ausgabe verwendet ihre eigene Datei aus diesem Ordner. Fehlt die Datei, meldet VermCad beim ersten Zugriff
- „Splissflächen-Konfigurationsdatei (…) nicht gefunden."
und arbeitet ohne Grenzwerte weiter: Es wird dann keine Teilfläche wegen ihrer Größe ausgeschieden und es findet keine Aggregation statt. Verhält sich die Flächenaggregation an einem Flurstück unerwartet, ist deshalb zuerst zu prüfen, ob dieser Ordner samt seiner konfiguration_*.xml überhaupt vorhanden ist — und die Installation gegebenenfalls zu vervollständigen, statt an der Aggregation selbst zu drehen.
Was VermCad mit den Teilflächen macht
Die Behandlung läuft immer dann, wenn VermCad die Nutzungsarten eines Flurstücks ermittelt — für den Fortführungsnachweis, für die Objektinformationen und für die Erkennung einer Nutzungs- oder Wirtschaftsartänderung. Sie läuft in dieser Reihenfolge ab:
- Teilflächen sammeln — die Verschnittflächen und zusätzlich die Lücken, also die Bereiche des Flurstücks, die von keiner Nutzung überdeckt sind.
- Sortieren nach Flächengröße, die größte zuerst.
- Ausscheiden nach Mindestgröße und Verhältniszahl (siehe oben).
- Aggregieren — benachbarte Teilflächen derselben Objektart werden zusammengefasst, sofern der Bereich das erlaubt und die in der Konfiguration genannten Attribute übereinstimmen (z. B. Funktion und Zustand).
- Runden und abgleichen — die Teilflächen werden auf die amtliche Fläche des Flurstücks skaliert und gerundet: auf volle Quadratmeter, wenn die amtliche Fläche mindestens 0,5 m² beträgt, sonst auf zwei Nachkommastellen. Skaliert wird nur, wenn die amtliche Fläche die Summe der Teilflächen um höchstens 5 % übersteigt — andernfalls bleiben die Einzelwerte stehen, damit eine versehentlich nicht gelöschte Bestandsnutzung sichtbar bleibt.
- Restdifferenz zuweisen — was nach der Rundung an der amtlichen Fläche noch fehlt, wird der größten Teilfläche zugeschlagen. Damit stimmt die Summe der Nutzungsflächen exakt mit der Buchfläche überein.
- Lückenflächen entfernen — die im ersten Schritt aufgenommenen herrenlosen Füllflächen fallen wieder heraus.
Aus Schritt 6 folgt der praktisch wichtige Punkt: Der Abgleich der Nutzungsflächen auf die Buchfläche ist gewollt. Ergibt sich trotzdem eine Differenz zwischen tatsächlicher Nutzung und Buchfläche, lohnt zuerst der Blick auf den Programmstand — dieser Abgleich war zeitweise durch einen Rundungsfehler gestört.
Eine übersehene Splissfläche kann einen Fortführungsfall auslösen
Ob ein Flurstück nutzungsart- oder wirtschaftsartverändert ist, ermittelt VermCad über genau diese Verschneidung — einschließlich Splissflächenbehandlung. Bleibt ein Zipfel übrig, der die Grenzwerte nicht unterschreitet, ändert sich die Liste der Nutzungsarten, und es entsteht ein Fortführungsfall zur Nutzungsänderung, den niemand haben wollte. Wie damit umzugehen ist, beschreibt Veränderung der tatsächlichen Nutzung.
Typische Fehlerbilder
| Symptom | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Bei der Fortführungsnummerierung entsteht ein Flurstück mit gerundet 0 m² amtlicher Fläche; das Amt weist den Import ab, weil in der Exportdatei ein Wert mit Nachkommastellen steht. | Ältere Programmstände haben Kleinstflächen nicht auf 0 m² gerundet, sondern den Zwischenwert ausgegeben. | Aktuelle Programmversion verwenden — dort wird jede Fläche unter 0,5 m² auf 0 m² gerundet. Notbehelf in einem bereits erzeugten Export: den Wert im Element amtlicheFlaeche von Hand auf 0.00 setzen.
|
| Im Entwurf des Fortführungsnachweises steht für eine sehr kleine Nutzungsartenfläche 0 statt des exakten Werts. | Keine Fehlfunktion, sondern die vorgesehene Darstellung: Nullflächen werden auf ganze Quadratmeter ausgegeben. | Nichts zu tun. Wird ein exakter Wert benötigt, ist die Geometrie zu prüfen — nicht die Ausgabe. |
| Die Buchfläche eines Splitterflurstücks erscheint im Programm als 0 m². | Die vorgeschriebene Ganzzahlrundung. | Der Wert ist korrekt. Nicht über eine künstliche Flächenkorrektur „reparieren" — das erzeugt auf der Restfläche eine zusätzliche Flächenberichtigung. |
| Die eigene zulässige Flächenabweichung weicht von der Berechnung der Behörde ab. | Die Flächenwerte wurden unterschiedlich auf ganze Quadratmeter gebracht — abgeschnitten statt gerundet. | Maßgeblich ist die Rundung, nicht das Abschneiden. Prüfen, ob beide Seiten gerundete Werte vergleichen; siehe Flächenberichtigung durchführen. |
| Die Aggregation der Nutzungsartenflächen an einem Flurstück verhält sich unerwartet: Kleinstflächen bleiben stehen, gleichartige Flächen werden nicht zusammengefasst. | In der Installation fehlen die Konfigurationsdateien unter resource\SplissFlaechenConfig. Ohne sie gilt keine Mindestgröße und es gibt keine Aggregationsvorgaben. |
Prüfen, ob der Ordner mit den Dateien konfiguration_*.xml vorhanden ist; im Protokoll steht dann auch die Meldung „Splissflächen-Konfigurationsdatei (…) nicht gefunden." Installation vervollständigen bzw. neu installieren.
|
| Ein Fortführungsfall zur Nutzungsänderung entsteht wegen einer Restfläche von wenigen Quadratzentimetern. | Die Restfläche unterschreitet die Grenzwerte nicht und zählt daher als eigene Nutzungsfläche. | Die auslösende Geometrie bereinigen (siehe ALKIS-Geometrieangleichen). Soll der Fall nicht abgegeben werden, ihn dauerhaft auf Nicht integriert stellen. |
| Ein Amt beanstandet eine Flächendifferenz zwischen tatsächlicher Nutzung und Buchfläche. | Der Abgleich der Nutzungsflächen auf die Buchfläche war zeitweise durch einen Rundungsfehler gestört. | Programmstand prüfen und aktualisieren; danach die Fortführungsfälle neu aufbauen lassen und die Belege erneut erzeugen. |
Siehe auch
- Flächenberichtigung durchführen — zulässiger Fehler, Anlass 010501 und Flächenkorrektur
- Veränderung der tatsächlichen Nutzung mit und ohne Wirtschaftsart
- Flächendeckung nach jedem Fortführungsfall
- Flächenberechnungsbeleg erstellen
- Nutzung eines Flurstücks ändern
- ALKIS-Geometrieangleichen
- Rechnen Menü-Das Dialogfenster Fläche — Flächenberechnung außerhalb von ALKIS
- ALKIS-Vollständige Fortführung