ALKIS-Arbeitsabläufe-Rückführung, Umnummerierung und seltene Anlässe: Unterschied zwischen den Versionen
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* Die Bildung '''aller''' Flurstücke — innerhalb wie außerhalb des Umlegungsgebiets — erfolgt im Fortführungsfall '''Umlegung'''. | * Die Bildung '''aller''' Flurstücke — innerhalb wie außerhalb des Umlegungsgebiets — erfolgt im Fortführungsfall '''Umlegung'''. | ||
* Eine Zerlegung teilweise einbezogener Flurstücke dient dabei nur dem '''Abgleich der amtlichen Fläche''' des außerhalb liegenden Teils; sie wird anschließend wieder zurückgenommen. | * Eine Zerlegung teilweise einbezogener Flurstücke dient dabei nur dem '''Abgleich der amtlichen Fläche''' des außerhalb liegenden Teils; sie wird anschließend wieder zurückgenommen. | ||
* Beim Anlass Umlegung werden Eigentümer und Buchung mitvalidiert. | * Beim Anlass Umlegung werden Eigentümer und Buchung mitvalidiert. | ||
{{Hilfe:Hinweis|In Baden-Württemberg lässt sich die amtliche Fläche (AFL) am Flurstück '''nicht direkt''' im Parameter-Dialog überschreiben. Abweichungen werden über die Spalte '''Korr.''' (''Korrektur der Buchfläche (Fehlerverteilung)'') angebracht | {{Hilfe:Hinweis|In Baden-Württemberg lässt sich die amtliche Fläche (AFL) am Flurstück '''nicht direkt''' im Parameter-Dialog überschreiben — genau wegen der Flächenkorrektur ist das Feld dort gesperrt. Abweichungen werden über die Spalte '''Korr.''' (''Korrektur der Buchfläche (Fehlerverteilung)'') angebracht; die wirksame Fläche ist dann AFL + Korrekturwert. Ein '''von Hand''' eingetragener Korrekturwert gilt als nutzergeänderter Wert und bleibt beim Übersetzen (F9) erhalten. Überschrieben wird er nur, wenn die Fehlerverteilung im Fortführungsdialog erneut gerechnet und die Rückfrage ''„Sollen bereits gesetzte Flächenkorrekturen überschrieben werden?"'' mit '''Ja''' beantwortet wird. Siehe [[ALKIS-Arbeitsabläufe-Flächenberichtigung durchführen|Flächenberichtigung durchführen]].}} | ||
== Typische Fehlerbilder == | == Typische Fehlerbilder == | ||
Version vom 6. August 2026, 10:11 Uhr
Ziel
Landeshinweis BW; die Regeln zur Flurstücksfolge und zu Zuflurstücken gelten nur dort, wo diese Konzepte geführt werden.
Für die Aufhebung einer bereits vollzogenen Fortführung gibt es keinen eigenen Fortführungsanlass. Sie wird aus den vorhandenen Bausteinen zusammengesetzt. Diese Seite beschreibt, wie viele Fortführungsfälle dafür nötig sind, warum ein zusätzlicher Umnummerierungsfall dazugehört, was bei Zuflurstücken zu beachten ist und welche Anlässe man besser nicht auf eigene Faust verwendet.
Das fachliche Grundprinzip der Rückführung und die Bildung der Flurstückskennzeichen stehen auf ALKIS-Rückführung einer Fortführungsvermessung; die Liste aller Anlässe und der Validierungsmeldungen auf Fortführungsfälle und Validierungsmeldungen.
Eine Rückführung besteht aus zwei Fortführungsfällen
Eine frühere Verschmelzung wird durch eine Zerlegung aufgehoben. Das reicht aber nicht: Das dabei wiederauflebende Flurstück entsteht zunächst als Zuflurstück, und ein Zuflurstück darf nicht als endgültige Nummer eingereicht werden. Es braucht daher einen zweiten Fall, der ihm die endgültige Nummer gibt.
| Reihenfolge | Anlass | Was darin passiert |
|---|---|---|
| 1 | 010101 Flurstückszerlegung | Das verschmolzene Flurstück wird wieder geteilt. Die entstehenden Flurstücke müssen den früheren in Form, Grenzverlauf und Buchfläche entsprechen. Das später umzunummerierende Flurstück erhält eine Zuflurstücksnummer. |
| 2 | 010301 Veränderung der Flurstücksnummer (Umnummerierung) | Das Zuflurstück geht unter, und das Flurstück mit der endgültigen Nummer entsteht. |
Beide Anlässe sind in Baden-Württemberg nachweispflichtig und erhalten damit je eine Fall-Nummer im Fortführungsnachweis.
Die Reihenfolge ist verbindlich. Ein Zuflurstück muss erst entstehen, bevor es weiterverwendet wird. Sonst meldet die Validierung:
- „Das Zuflurstück … wird in diesem Fortführungsfall benutzt, entsteht aber erst später" bzw. „Das Zuflurstück … entsteht in diesem Fortführungsfall, wird aber schon früher benutzt".
Die Arbeitsschritte im Projekt
- Historische Flurstücke mit abrufen. Nur so kann VermCad die richtige Flurstücksfolge ermitteln — siehe ALKIS-Rückführung einer Fortführungsvermessung und Bestandsdaten abrufen und aktuell halten.
- Den früher untergegangenen Grenzpunkt wiederbeleben. Punkt-Parameter-Dialog, Reiter Allgemein, Rechtsklick → Historisierung aufheben. Erst danach wird der Punkt wieder wie ein lebender Punkt behandelt und kann in Grenzen aufgenommen werden (siehe Punkte historisieren, wandeln und wiederherstellen).
- Den Umring des bestehenden Flurstücks an diesem Punkt aufbrechen. Werkzeug: Geometrie angleichen mit der Aktion Linie am Punkt teilen (siehe ALKIS-Geometrieangleichen und Flächendeckung nach jedem Fortführungsfall).
- Die neuen Flurstücksflächen bilden und ihnen ALKIS-Objekte zuordnen (siehe ALKIS-Objekte erstellen und löschen); das bisherige Flurstück untergehen lassen.
- Die beiden Fortführungsfälle bilden und die Objekte zuordnen — siehe ALKIS-Vollständige Fortführung.
Die Flurstücksfolge zählt weiter — sie wird nicht zurückgesetzt
Ein wiederauflebendes Flurstück bekommt nicht sein früheres vollständiges Kennzeichen zurück. Die Flurstücksfolge wird fortlaufend weitergezählt:
- Sie darf gegenüber dem Bestand nur erhöht, nie gesenkt werden.
- Sie muss schrittweise um 1 erhöht werden.
- Ist die Version mit Folge
0bereits in der Datenhaltung enthalten, ist die Folge1zu vergeben.
Setzt man die Folge von Hand auf den alten Wert des Vorgängerflurstücks zurück, melden die Prüfungen:
- „Die Flurstücksfolge muss immer schrittweise um 1 erhöht werden."
- „Die Flurstücksfolge des neuen Flurstücks ist niedriger als die Flurstücksfolge des Bestandsflurstücks mit gleicher Flurstücksnummer. Die Flurstücksfolge darf nur erhöht werden."
- „Flurstückskennzeichen wird mehrfach verwendet. Es muss jedoch eindeutig sein. Ggfs. muss die Flurstücksfolge erhöht werden"
Die Korrektur-Aktion dieser Meldungen öffnet die betroffenen Flurstücke direkt im Parameter-Dialog bei der Flurstücksfolge (FSF). Bequemer ist der Weg über den Dialog Flurstücksnummer setzen mit der Ableitungsart Erhöhung Folge (siehe Flurstückskennzeichen setzen).
Was die automatische Fallermittlung von selbst erkennt
Bevor Sie Fälle von Hand bilden, lohnt sich die automatische Fallermittlung (Register + → Automatisch). Sie erkennt unter anderem:
| Muster im Projekt | Ermittelter Anlass |
|---|---|
| Ein gelöschtes Bestandsflurstück, zu dem ein deckungsgleiches neues Flurstück existiert | 010301 Veränderung der Flurstücksnummer |
| Ein gelöschtes Bestandsflurstück ohne deckungsgleiches neues Flurstück | 010308 Löschung eines Flurstücks |
| Mindestens zwei gelöschte Bestandsflurstücke, zu denen es je ein neues Flurstück mit gleicher Flurstücksnummer und um 1 erhöhter Folge gibt, und die eine gemeinsame, geänderte Grenze haben | 010502 Berichtigung eines Zeichenfehlers |
Die Prüfung auf den Zeichenfehler läuft dabei vor allen anderen Prüfungen — sonst würden die Flurstückspaare als Zerlegung und Verschmelzung oder als Flurstückslöschung fehlgedeutet.
Flurstücke nicht löschen und unter derselben Nummer neu einführen
Das ist fachlich unzulässig und führt zu Fortführungsdaten, die die aufnehmende Stelle nicht mehr reparieren kann: Flurstücke werden gelöscht und dieselben Flurstücksnummern anschließend durch neue Flurstücke wieder eingeführt.
Richtig ist der Anlass 010502 — im Fortführungsdialog als Berichtigung eines Zeichenfehlers angeboten, im Fortführungsnachweis als Berichtigung eines in ALKIS fehlerhaft nachgewiesenen Grenzverlaufs ausgewiesen. Dabei bestehen altes und neues Flurstück nebeneinander; das Flurstückskennzeichen wird über die Erhöhung der Flurstücksfolge weiterverwendet. Die Regeln zu diesem Anlass — beide betroffenen Flurstücke müssen untergehen, der Fall gehört an die erste Stelle der Fallliste, Kombination mit Flächenberichtigung — stehen auf Fortführungsfälle und Validierungsmeldungen.
Hinweis: Der Anlass 010308 Löschung eines Flurstücks ist in der Praxis kaum relevant. Bevor Sie ihn verwenden, stimmen Sie den Fall mit der zuständigen Stelle ab — häufig ist stattdessen einer der übrigen Anlässe der richtige.
Zuflurstücke
Ein Zuflurstück ist in Baden-Württemberg an seinem Nenner ab 100 erkennbar. Es dient als Zwischennummer: Es entsteht in einer Zerlegung und geht in einer Verschmelzung oder Umnummerierung wieder unter.
- Ein Zuflurstück darf nicht als endgültige Nummer eingereicht werden. Entsteht es und geht es im selben Entwurf nicht wieder unter, gehört ein Umnummerierungsfall dazu.
- Entsteht ein Flurstück in einer Zerlegung und wird anschließend wieder verschmolzen, ohne eine Zuflurstücksnummer zu haben, meldet die Validierung: „Flurstück … entsteht in einer Zerlegung und wird anschließend wieder verschmolzen, hat jedoch keine Zuflurstücksnummer." Die Aktion der Meldung öffnet den Dialog Flurstücksnummer setzen.
- Im Dialog Flurstücksnummer setzen vergibt die Ableitungsart ZuFlurstück den nächsten freien Nenner ab 100 (siehe Flurstückskennzeichen setzen).
- Zuflurstücke sind eine der wenigen zulässigen Ausnahmen davon, dass ein Objekt nur in einem Fortführungsfall exportiert werden darf (siehe Exportobjekte je Fortführungsfall auswählen).
Zuflurstück in der falschen Flur reserviert
Symptom: Die Zuflurstücksnummern wurden in der falschen Flur reserviert und eingelesen; auffällig wird das erst nach der Objektbildung durch die Validierung.
Meldung: „Das Flurstückskennzeichen widerspricht folgenden Flurstücksattributen: Der Flur-Schlüssel ist nicht gesetzt oder stimmt nicht überein."
Abhilfe: Die Zuflurstücke korrekt neu reservieren und einlesen (siehe Reservierungen übernehmen und verwenden). Stimmen Flurstücksnummer, Gemarkung und Flurstücksfolge mit der neuen Reservierung überein, genügt es, in den Flurstücksparametern die Flurnummer (FLN) zu ändern — sie ist in der Baden-Württemberg-Ausgabe am Flurstück editierbar. Ein vollständiges Neuanlegen der Objekte ist nicht nötig. Anschließend die Validierung erneut laufen lassen; sie muss fehlerfrei durchlaufen.
Hinweis: Reservierungen, die nicht zur Flur des Altflurstücks passen, sind im Dialog Flurstücksnummer setzen im Bereich Flurstücksnummer aus Reservierung mit dem Zusatz (falsche Flur) gekennzeichnet — genauso wie (benutzt), (benutzt VC) und (ungültige GV).
Zerlegungen und eine Umlegung in einem Verfahren
VermCad lässt es zu, Zerlegungen und eine Umlegung (Anlass 010621) in einem Verfahren zu bearbeiten. Fachlich ist das heikel, denn beides wird unterschiedlich wirksam: die Zerlegung mit der Fortführungsentscheidung, die Umlegung außerhalb der öffentlichen Bücher. Beides unter einer Veränderungsnummer abzuwickeln, sollte man deshalb vermeiden; die Verantwortung liegt beim Anwender.
Für die Praxis gilt:
- Keine Zuflurstücke bilden. Auch dort, wo sonst eine Zuflurstücksnummer vergeben würde, sind endgültige Flurstücksnummern zu verwenden.
- Die Bildung aller Flurstücke — innerhalb wie außerhalb des Umlegungsgebiets — erfolgt im Fortführungsfall Umlegung.
- Eine Zerlegung teilweise einbezogener Flurstücke dient dabei nur dem Abgleich der amtlichen Fläche des außerhalb liegenden Teils; sie wird anschließend wieder zurückgenommen.
- Beim Anlass Umlegung werden Eigentümer und Buchung mitvalidiert.
Hinweis: In Baden-Württemberg lässt sich die amtliche Fläche (AFL) am Flurstück nicht direkt im Parameter-Dialog überschreiben — genau wegen der Flächenkorrektur ist das Feld dort gesperrt. Abweichungen werden über die Spalte Korr. (Korrektur der Buchfläche (Fehlerverteilung)) angebracht; die wirksame Fläche ist dann AFL + Korrekturwert. Ein von Hand eingetragener Korrekturwert gilt als nutzergeänderter Wert und bleibt beim Übersetzen (F9) erhalten. Überschrieben wird er nur, wenn die Fehlerverteilung im Fortführungsdialog erneut gerechnet und die Rückfrage „Sollen bereits gesetzte Flächenkorrekturen überschrieben werden?" mit Ja beantwortet wird. Siehe Flächenberichtigung durchführen.
Typische Fehlerbilder
| Symptom | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Der Fehlerbericht der Landesstelle bezeichnet die Fortführungsdaten als nicht reparierbar; betroffen sind Flurstücke in einem Fall mit dem Anlass „Löschung eines Flurstücks". | Flurstücke wurden gelöscht und dieselben Flurstücksnummern anschließend durch neue Flurstücke wieder eingeführt. | Fall neu aufbauen mit dem Anlass Berichtigung eines Zeichenfehlers (010502): altes und neues Flurstück bestehen nebeneinander, die Flurstücksfolge wird erhöht. |
| Beim Export erscheint ein Überlappungsfehler, weil zwei neue Objekte flächengleich sind — bei einer Rückführung mit Zerlegung und anschließender Umnummerierung. | In dieser Konstellation sind die beiden Objekte planmäßig flächengleich (Zuflurstück und endgültiges Flurstück). | Die Meldung ist hier ohne Bedeutung. Erscheint sie dagegen ohne eine solche Konstellation, ist die Geometrie zu bereinigen (siehe ALKIS-Geometrieangleichen). |
| Die Validierung meldet, das Zuflurstück werde in einem Fortführungsfall benutzt, entstehe aber erst später (oder umgekehrt). | Die Fortführungsfälle stehen in der falschen Reihenfolge. | Reihenfolge korrigieren: erst der Fall, in dem das Zuflurstück entsteht (Zerlegung), dann der Fall, der es verbraucht (Verschmelzung bzw. Umnummerierung). |
| Ein Flurstück mit einer Zuflurstücksnummer bleibt im Entwurf stehen. | Der zusätzliche Umnummerierungsfall wurde nicht gebildet. | Fortführungsfall mit Anlass 010301 Veränderung der Flurstücksnummer anlegen, der dem Flurstück die endgültige Nummer gibt. |
| Nach dem Import einer Reservierung meldet die Validierung einen Widerspruch beim Flur-Schlüssel. | Die Nummern wurden in der falschen Flur reserviert bzw. die falsche Reservierungsdatei wurde eingelesen. | Korrekt neu reservieren; stimmen Flurstücksnummer, Gemarkung und Folge überein, genügt das Ändern der Flurnummer (FLN) in den Flurstücksparametern. Danach Validierung erneut laufen lassen. |
| Ein wiederbelebter Grenzpunkt wird beim Teilen der Fläche nicht in die neue Grenze aufgenommen. | Historische Punkte werden beim Geometrieangleichen übergangen. | Zuerst die Historisierung aufheben; wiederbelebte Punkte werden anschließend wie lebende Punkte behandelt (siehe Punkte historisieren, wandeln und wiederherstellen). |
Siehe auch
- ALKIS-Rückführung einer Fortführungsvermessung — Grundprinzip und Bildung der Flurstückskennzeichen
- Fortführungsfälle und Validierungsmeldungen — alle Anlässe und Meldungen
- Flurstückskennzeichen setzen — Erhöhung Folge, ZuFlurstück, Reservierung
- Reservierungen übernehmen und verwenden
- Punkte historisieren, wandeln und wiederherstellen
- Flächendeckung nach jedem Fortführungsfall
- Exportobjekte je Fortführungsfall auswählen
- Flächenberichtigung durchführen
- ALKIS-Vollständige Fortführung und ALKIS-Geometrieangleichen