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ALKIS-Arbeitsabläufe-Automatische Fallermittlung und Projekt zurücksetzen: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 6. August 2026, 15:10 Uhr

Ziel

Zwei Fragen, die bei größeren Fortführungsvermessungen regelmäßig auftauchen: Warum findet die automatische Fallsuche eine Verschmelzung nicht, obwohl im CAD alles richtig aussieht? Und wie setzt man ein „verkorkstes“ Projekt zurück, ohne Messwerte, Punktdaten und die eigene CAD-Arbeit zu verlieren?

Diese Seite beschreibt die Bedingung, unter der VermCad eine Zerlegung oder Verschmelzung erkennt, wie man die Ursache im Projekt sichtbar macht und welcher Rücksetz-Weg zu welchem Ziel passt. Fokus Baden-Württemberg.

Die Reihenfolge, in der die Fallermittlung die einzelnen Anlässe prüft, steht unter Fortführungsfälle und Validierungsmeldungen.

Wann die Fallermittlung läuft

Beim Öffnen des Dialogs ALKIS-Vollständige Fortführung führt VermCad die drei Sammelfälle selbstständig nach. Nach Zerlegungen, Verschmelzungen, Flurstückslöschungen und den übrigen Anlässen sucht VermCad dagegen nicht ungefragt — diese Suche stoßen Sie an:

  1. Im Dialog einen neuen Fortführungsfall anlegen (Schaltfläche zum Erstellen eines neuen Fortführungsfalls, siehe ALKIS-Vollständige Fortführung).
  2. Es erscheint die Abfrage Automatische Fallsuche mit der Frage „Soll automatisch nach möglichen Fortführungsfällen gesucht werden?“ und den Schaltflächen Automatisch, Manuelle Objektwahl und Abbrechen.
Antwort Was passiert
Automatisch VermCad betrachtet alle neuen und gelöschten Flurstücke, Gebäude und Bauteile des Projekts, die noch in keinem Fortführungsfall Kernobjekt sind, und sucht darin die bekannten Muster.
Manuelle Objektwahl VermCad wartet auf eine Auswahl im CAD: „Bitte wählen Sie im CAD die Objekte für den neuen Fortführungsfall und bestätigen Sie mit ‚Fertig‘“. Gesucht wird dann nur in dieser Auswahl und den dazugehörigen Objekten.

Am Ende meldet VermCad das Ergebnis: Es wurden … neue Fortführungsfälle erstellt. beziehungsweise Es konnten keine neuen Fortführungsfälle ermittelt werden. Wurden zwar keine neuen Fälle gebildet, aber bestehende Fälle ergänzt, lautet die Meldung Es wurden keine neuen Fortführungsfälle ermittelt, aber es gab Objekt-Ergänzungen in bestehenden Fällen.

Hinweis: Flurstücke, die bislang nur in einem Fall mit dem Anlass Flächenberichtigung stecken, nimmt die automatische Suche weiterhin mit — dort ist eine spätere Zerlegung oder Verschmelzung ja gerade zu erwarten.

Die Bedingung für Zerlegung und Verschmelzung

Beide Anlässe prüft VermCad mit demselben Verfahren, nur von verschiedenen Seiten: Eine Zerlegung ist von der anderen Seite betrachtet eine Verschmelzung.

Für eine Verschmelzung ist das neue Flurstück der Behälter. VermCad

  1. sammelt alle Bestandsflurstücke, die vollständig in diesem neuen Flurstück liegen,
  2. sucht darunter eine Kombination, deren Flächensumme mit der Fläche des neuen Flurstücks übereinstimmt (mit einer Rechentoleranz von rund einem Quadratmeter),
  3. und prüft, ob diese Kombination das neue Flurstück tatsächlich lückenlos und ohne Überstand ausfüllt.

Erst wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind — und mindestens zwei Bestandsflurstücke beteiligt sind —, entsteht der Verschmelzungsfall. Für eine Zerlegung gilt dasselbe mit vertauschten Rollen: Das Bestandsflurstück ist der Behälter, die neuen Flurstücke müssen es vollständig ausfüllen.

Daraus ergeben sich die vier häufigsten Gründe, warum ein erwarteter Fall ausbleibt:

Ursache Was zu tun ist
Ein Altflurstück ist noch nicht als untergehend markiert. Die automatische Suche geht von den neuen und den untergehenden Objekten aus; Bestandsflurstücke kommen nur über die Verschneidung mit diesen hinzu. Wird ein Altflurstück weder markiert noch von einer neuen Fläche überdeckt, taucht es in der Suche gar nicht auf — und für den Fortführungsfall muss es ohnehin untergehen. Das Bestandsflurstück als untergehend markieren (AX-Objekt löschen, siehe ALKIS-Objekte erstellen und löschen).
Die neuen Flächen überschneiden sich gegenseitig. Aus einer solchen Objektstruktur lässt sich kein eindeutiges Muster ableiten. Die Geometrie bereinigen, siehe ALKIS-Geometrieangleichen und Flächendeckung nach jedem Fortführungsfall.
Eine vorgelagerte Zerlegung fehlt oder ist unvollständig. Dann bleibt im Behälter eine Restfläche übrig. Die fehlenden Teilflurstücke bilden, bevor die Verschmelzung gesucht wird.
Ein beteiligtes Flurstück ragt über den Behälter hinaus. Es gilt dann nicht als „vollständig enthalten“. Die Ränder aufeinander ziehen; Werkzeuge siehe ALKIS-Geometrieangleichen.

Diagnose in großen Projekten

In Projekten mit vielen Fällen ist die fehlende Überdeckung im CAD kaum zu sehen. Der schnellste Weg ist ein Szenario, in dem nur die Flurstücks-Folien sichtbar sind — also AX_Flurstueck, AX_Flurstueck_Neu und die zugehörigen Gelöscht-Folien. Was dann als weißer Fleck stehen bleibt, ist genau die Fläche, die kein Flurstück überdeckt. Szenarien einrichten: Folien und Szenarien einrichten.

Ergänzend helfen die Kontrollwerkzeuge des Fortführungsdialogs — insbesondere Vergleichen / Lücken finden und die Validierung. Sie sind unter Flächendeckung nach jedem Fortführungsfall beschrieben.

Der Fall ohne Anlass

Wählen Sie Manuelle Objektwahl und lässt sich für die gewählten Objekte kein Muster erkennen, erzeugt VermCad trotzdem einen Fortführungsfall — allerdings ohne Anlass. Das ist Absicht: Von dort aus können Sie weiterarbeiten und sehen an der Zusammenstellung, welche Fallbestandteile noch fehlen. Ist dagegen bereits jedes gewählte Objekt in einem soeben gebildeten Fall Kernobjekt, entsteht kein solcher "Besenfall".

So arbeiten Sie damit weiter:

  • Dem Fall im Feld Anlass von Hand einen Anlass zuweisen — solange er fehlt, meldet die Validierung Es wurde kein Anlass vergeben. (Anders als der Anlass am einzelnen Flurstück ist der Anlass des Fortführungsfalls von Hand wählbar.)
  • Oder die Objekte einem passenden Fall zuordnen und den leeren Fall löschen.
  • Oder die fehlenden Objekte ergänzen (fehlende Zerlegung, noch nicht gelöschtes Altflurstück) und die automatische Fallsuche erneut laufen lassen.

Bei der Antwort Automatisch entsteht ein solcher Fall ohne Anlass nicht — dort bleibt es bei der Meldung, dass keine Fälle ermittelt werden konnten.

Ein Projekt zurücksetzen

Es gibt nicht „das eine“ Zurücksetzen. Wählen Sie den Weg nach dem, was erhalten bleiben soll:

Ziel Weg
Alle Fachobjekt-Änderungen und alle Fortführungsfälle verwerfen, Punkte behalten Menü ALKIS → Alkis-Daten zurücksetzen; Wirkung und Sicherheitsabfrage siehe ALKIS-Daten zurücksetzen
Nur einzelne Objekte auf den Bestand zurückholen Kontextmenü Geometrie zurücksetzen bzw. Attribute zurücksetzen, siehe Geometrieänderungen verwalten
Einen einzelnen Fortführungsfall loswerden Fall im Dialog ALKIS-Vollständige Fortführung löschen
Den Untergang einzelner Punkte zurücknehmen Kennzeichen # am Punkt entfernen, siehe Punkte historisieren, wandeln und wiederherstellen
Eine bereits abgegebene Fortführung zurückbauen ALKIS-Rückführung einer Fortführungsvermessung

Nach dem Zurücksetzen das Projekt neu übersetzen (F9), damit Punkt- und Linienzuordnungen neu geprüft werden.

Hinweis: Löschen Sie nicht die Projektdatei. Die CAD-Objektdaten des Projekts stehen in der Projekt-Objekt-Datei (XML) beziehungsweise der Projekt-ALKIS-Datei (NAS). Wird sie gelöscht, gehen alle Daten verloren, die nicht aus der Messwertdatei entstehen: selbst erstellte CAD-Objekte, Nebenzeichnungen, nicht automatisch vergebene Attributierungen wie Farbe und Linienmuster, der Inhalt des Papierkorbs und die Änderungen an Punkten. Der Weg über Alkis-Daten zurücksetzen erhält all das.

Typische Fehlerbilder

Nur eine von mehreren Verschmelzungen wird erkannt

Symptom: In einem großen Projekt findet die automatische Fallsuche nur einen Teil der erwarteten Verschmelzungen. Wählt man das betroffene Flurstück von Hand aus, entsteht ein Fortführungsfall ohne sinnvollen Anlass.

Ursache: Die Fläche des neuen Flurstücks wird nicht lückenlos von passenden Bestandsflurstücken überdeckt — meist, weil vorgelagerte Zerlegungen fehlen oder unvollständig sind. Fehlen zusätzlich die Untergangs-Markierungen an den Altflurstücken, bleibt die Fortführung auch dann unvollständig, wenn der Fall gefunden wird.

Abhilfe: Fehlende oder unvollständige Zerlegungen ergänzen, die Altflurstücke untergehen lassen und die Fallsuche erneut starten. Zur Kontrolle das Szenario mit den Flurstücks-Folien nutzen.

Verschmelzungen fehlen, stattdessen wird eine Flurstückslöschung ermittelt

Symptom: Statt der gewollten Verschmelzungen bildet VermCad einen Fall mit dem Anlass Flurstückslöschung.

Ursache: Die neu gebildeten Flurstücksflächen überschneiden sich gegenseitig. Damit scheitert die Mustererkennung für Zerlegung und Verschmelzung; das gelöschte Bestandsflurstück wird anschließend von der Prüfung auf Flurstückslöschung eingesammelt.

Abhilfe: Zuerst die Objektstruktur korrigieren, sodass sich die neuen Flächen nicht mehr schneiden — danach findet die Fallsuche die Verschmelzungen. Den zwischenzeitlich entstandenen Löschungsfall vorher löschen, damit die beteiligten Flurstücke wieder zur Verfügung stehen.

Siehe auch



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